Wie Zitronen & Orangen zur Entstehung des Internationalen Tag der klinischen Studien beitrugen

Der 20. Mai eines jeden Jahres ist der Internationale Tag der klinischen Studien. An diesem Tag nämlich, hatte der schottische Arzt James Lind eine Idee, welche die medizinische Forschung revolutionieren würde. Als Schiffsarzt der britischen Marine untersuchte er Matrosen auf See, die an Skorbut erkrankt waren. Skorbut entsteht durch Vitamin-C-Mangel und war damals eine ernst zu nehmende Gefahr für Seeleute. Zwar hatte man bereits um 1600 herum entdeckt, dass Zitrusfrüchte gegen Skorbut helfen können, aber man verstand nicht weswegen. Außerdem waren Zitrusfrüchte teuer und nicht überall leicht zu beschaffen und so starben viele Matrosen bis weit ins 18. Jahrhundert an Skorbut.

James Lind versuchte die Zusammenhänge besser zu verstehen. Am 20. Mai 1747 entschied er, die zwölf erkrankten Seemänner an Bord in sechs verschiedene Gruppen einzuteilen und jede dieser Gruppen unterschiedlich zu behandeln. Alle Personen bekamen dieselbe Grundernährung, dazu erhielten sie täglich folgende zusätzliche Behandlung:

Zitronen in Holzkiste | Novartis – Klinische Forschung
Orangen in Holzkiste | Novartis – Klinische Forschung
  • Gruppe 1: Apfelwein
  • Gruppe 2: Schwefelsäure
  • Gruppe 3: Essig
  • Gruppe 4: Seewasser
  • Gruppe 5: 2 Orangen & 1 Zitrone
  • Gruppe 6: Gewürzpaste & Gerstenwasser

Lediglich die Personen der Gruppe 5 waren schon nach wenigen Tagen wieder in der Lage zu arbeiten. James Lind hatte, ohne es zu wissen, die erste offene, kontrollierte, randomisierte, mehrarmige Studie durchgeführt.

Seit der Einführung des Internationalen Tags der klinischen Studien durch das European Clinical Research Infrastructures Network (ECRIN) im Jahr 2005, soll der 20. Mai daran erinnern, wofür sich die medizinische Forschung einsetzt: für die Entwicklung innovativer Therapien sowie die kontinuierliche Verbesserung bereits zugelassener Medikamente, welche Gesundheit und Lebensqualität von Patient*innen weltweit verbessern. Und es gibt noch viel zu tun, denn noch immer sind unzählige medizinische Fragestellungen ungelöst. Nach wie vor ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Für viele, oft seltene Erkrankungen, stehen noch keine zufriedenstellenden Therapien zur Verfügung.

Was aber wurde aus James Lind? Als Schiffsarzt der Royal Navy war er noch für weitere Entdeckungen verantwortlich: so fand er 1758 heraus, dass man durch die Verdampfung von Seewasser mit Sonnenergie, Trinkwasser gewinnen kann. Allerdings gab es erst ab 1810 durch den Einsatz neuer Kochöfen auf See, die Möglichkeit, Trinkwasser durch Destillation in größeren Mengen herzustellen. Außerdem fand er heraus, dass verbesserte Hygiene an Bord das Ausbrechen von Krankheiten drastisch verringerte. Zu den von ihm eingeführten Maßnahmen zählten etwa die stärkere Belüftung der Schiffskabinen, das Unter-Deck-Ausräuchern mit Arsen und Schwefel, sowie konsequente Körperhygiene der Matrosen.

James Lind starb 1794, lange bevor Anfang des 20. Jahrhunderts die Vitamine und damit das Vitamin C entdeckt wurden.

 

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