Kranke Leber ohne Alkohol

Nicht-alkoholische Fettleberentzündung NASH)

Sind die Leberwerte erhöht, geraten Betroffene leicht in Verdacht, mehr als nur ein Gläschen Wein oder Bier zum Abendessen zu trinken. Lebererkrankungen und erhöhter Alkohlkonsum sind für viele Menschen untrennbar miteinander verbunden. Aber nicht immer sind schlechte Leberwerte die Folge feuchtfröhlicher Ausschweifungen.

So trafen Manfred H.* der skeptische Blick und die Nachfrage seines Betriebsarztes, wieviel Alkohol er denn trinke, völlig unerwartet. Noch wenige Tage zuvor, auf dem Weg zu einer Routineuntersuchung, war er sich keinerlei gesundheitlicher Probleme bewußt gewesen. Im Gegenteil, er fühlte sich gut. Er wußte, dass er sich mehr bewegen müßte, denn als Busfahrer sitzt er viel und ging auch seltener spazieren, als früher. Aber im Großen und Ganzen fühlte er sich fit. Bei der körperlichen Untersuchung stellte der Arzt zunächst auch nichts Auffälliges fest. Er entließ Manfred H. mit einer Broschüre zu gesunder Ernährung und sagte augenzwinkernd: „Mehr Bewegung und weniger Fleisch tun uns allen gut.“

Erhöhte Leberwerte ohne Grund?

Zwei Tage später klingelte das Telefon von Manfred H. und der Betriebsarzt bestellte ihn für den nächsten Tag in die Praxis. „Ihre Leberwerte sind stark erhöht, Herr H. Ich muss Sie sofort beurlauben, denn laut unserer Vorschriften sind Sie aktuell nicht arbeitsfähig.“ Manfred H. war erschrocken und irritiert. „Weshalb sollte ich nicht arbeitsfähig sein?“ Der Betriebsarzt erklärte ihm, dass die erhöhten Leberwerte vermutlich durch einen dauerhaften übermäßigen Alkoholkonsum hervorgerufen wurden, sprich er wohl ein „Alkoholproblem“ haben müsse. Dazu nannte er ihm mögliche Stellen, an die er sich mit Alkoholproblemen wenden könne. Bestürzt versicherte Manfred H., dass er lediglich ein bis zwei Mal im Monat ein Glas Wein oder ein Bier trinke. „Ich kann doch in meinem Beruf kein Alkoholiker sein!“ Aber der Betriebsarzt blieb skeptisch. Er schickte Manfred H. zur weiteren Abklärung zu einem Leberspezialisten. Arbeiten durfte er bis auf Weiteres nicht.

„Ich konnte mir das nicht erklären“ erzählt er heute, 3 Jahre nach dem unangenehmen Gespräch. „Ich verstand natürlich, dass der Betriebsarzt das genauer prüfen musste. Aber für mich war das eine riesen Ungerechtigkeit! Ich war richtig verzweifelt, hatte Angst um meinen Job und wußte nicht, wie ich beweisen sollte, dass ich wirklich nicht trinke!“

Untersuchung beim Leber-Spezialisten bringt Klarheit

Auf der Suche nach Erklärungen für seine Situation stieß Manfred H. im Internet auf die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, die bei anscheinlich gesunden Menschen erhöhte Leberwerte hervorrufen kann. Der Gastroenterologe, bei dem er kurze Zeit später seinen Abklärungstermin hatte, bestätigte seine Vermutung und der Busfahrer durfte sich kurze Zeit später wieder ans Steuer setzen.

Zwar sind die Auswirkungen einer nicht-alkoholischen Fettleber-Diagnose nicht immer so dramatisch wie bei Manfred H., aber die meisten Betroffenen können wahrscheinlich bestätigen, dass das persönliche Umfeld bei Lebererkrankungen schnell einen heimlichen Alkoholmißbrauch vermutet. Im Falle einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung, auch kurz NAFLD (engl. Non-alcoholic Fat Liver Disase) jedoch zu Unrecht. Anders als Manfred H.s Betriebsarzt, sind Hausärzte wiederum bei erhöhten Leberwerten meist nicht sofort alarmiert. Gar nicht selten wird zunächst zum Abwarten und Beobachten geraten, was den meisten Patienten sehr entgegen kommt, denn wer geht schon gerne öfter zum Arzt, als unbedingt notwendig?

Stille Erkrankung nicht-alkoholische Fettleber

Da die NAFLD zunächst ohne größere Beschwerden verläuft, wird sie im Anfangsstadium oft nicht richtig ernst genommen, oder überhaupt erst in einem fortgeschrittenem Stadium entdeckt. Eine „stille“ Krankheit also, meist begleitet von Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck, was die Aufmerksamkeit zusätzlich von der Leber ablenkt.
Dabei ist es wichtig, erhöhte Leberwerte von einem Facharzt abklären zu lassen, denn die NAFLD ist der häufigste Grund für chronische Lebererkrankungen in der westlichen Welt, mit einer weltweiten Häufigkeitsrate von 25% 1.

Bei Manfred H. saß der Schreck nach dem Gespräch mit dem Betriebsarzt tief. „Von einem Tag auf den anderen war mein ganzes Leben durcheinander geraten. Einerseits war die Situation schlimm, aber andererseits führte sie dazu, dass ich mich mit der Krankheit beschäftigen musste. Ich wollte wenigstens wissen, worauf ich mich mit der nicht-alkoholischen Fettleber einstellen muss“. Bei seinen Online-Recherchen wurde ihm bewußt, dass er die Erkrankung nicht einfach ignorieren durfte. Denn wenn die NAFLD unbehandelt bleibt, besteht die Gefahr, dass sich eine Fettleberentzündung entwickelt, auch nicht-alkoholische Steatohepatitis, oder kurz NASH genannt. Bei einer NASH sind die Leberzellen entzündet und das gesamte Organ schwillt an. Das ist dann oft der Zeitpunkt, zu dem Betroffene erstmals Beschwerden, wie z.B. Druck im Oberbauch wahrnehmen.

Wichtig: eine Fettleber muss behandelt werden

Während Patienten mit einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) noch gute Chancen haben durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung wieder ganz gesund zu werden, läßt sich die Erkrankung immer schwieriger heilen, je weiter sie fortschreitet. Auch eine NASH, läßt sich vollkommen heilen, allerdings sollte sie unbedingt behandelt werden. Denn die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan des Körpers. Durch eine chronische Entzündung der Leber, wie im Falle einer NASH, steigt das Risiko für weitere Begleiterkrankungen stark an. Vor allem Herz-Kreislauferkrankungen werden durch eine NASH negativ beeinflußt.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass die nicht-alkoholische Leberentzündung im Anfangsstadium sehr gut auf Gewichtsabnahme und ausgewogene Ernährung anspricht. Besonders positiv entwickelt sich die Gesundheitssituation bei Patienten, die sich zusätzlich so viel wie möglich bewegen. In vielen Fällen und insbesondere wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist, reichen Sport und gesunde Ernährung allerdings nicht mehr aus, um eine NASH effizient zu behandeln

Suche nach Medikamenten für NAFLD & NASH in Studien

Für Manfred H. war das Erlebnis mit seinem Betriebsarzt ein Weckruf. Seine Fettleber hatte sich noch nicht entzündet, es hatte sich also noch keine NASH entwickelt. Sein Arzt sah gute Chancen, seine NAFLD durch eine Ernährungsumstellung wieder vollkommen zu heilen. Daher nahm Manfred H. gemeinsam mit seiner Frau an einem Ernährungsberatungs-Kurs teil, der von seiner Krankenkasse angeboten wurde. Die Ernährungsumstellung fiel beiden nicht leicht, aber als in der Folge überflüssige Pfunde zu purzeln begannen, motivierte der Erfolg beide zum Durchhalten. „Wir fühlen uns gesünder als vorher, allein dafür hat sich die Mühe gelohnt“, berichtet er stolz. „Außerdem machen wir jetzt fast täglich einen Abendspaziergang, der tut nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut“.

Derzeit gibt es weder Medikamente zur gezielten Behandlung einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD), noch zur Behandlung einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung (NASH). Aktuell kann man lediglich die Begleiterkrankung einer NAFLD oder NASH behandeln.

Es wird jedoch an Medikamenten zur Behandlung beider Erkrankungen geforscht. So führt Novartis z.B. eine klinische Studie zur Behandlung von nicht-alkoholischer Steatohepatits (NASH) durch.

Alle Informationen zu unserem aktuellen Studienprogramm finden sie hier.

*Die Patientengeschichte beruht auf einem tatsächlichen Fall aus der Praxis eines Leberfacharztes.

Referenzen

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30142943 Nutraceutical Approach to Non-Alcoholic Fatty Liver Disease (NAFLD)

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