Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen und eine der häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Auch Männer können daran erkranken. Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 70.000 Menschen die Diagnose Brustkrebs, 1% davon sind Männer.
Was ist die Brust und welche Funktion hat sie?
Die Brust, medizinisch „Mamma“ (von lat. Glandula mammaria) genannt, ist ein komplexes Organ, das aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe besteht sowie aus Blutgefäßen, Nerven und Lymphbahnen. Von außen wirkt jede Brust sehr individuell in Form, Größe und Beschaffenheit. Der innere Aufbau ist jedoch grundsätzlich ähnlich.
Aufbau der Brust im Überblick
- Brustdrüse (Drüsengewebe): Das Drüsengewebe ist für die Produktion der Muttermilch zuständig. Es besteht aus vielen kleinen Drüsenläppchen (Lobuli), die über Milchgänge miteinander verbunden sind.
- Milchgänge (Ductuli): Sie transportieren die produzierte Milch zur Brustwarze. Ein großer Teil der Brustkrebserkrankungen entsteht in diesen Gängen.
- Fettgewebe: Das Fettgewebe bestimmt zum großen Teil die äußerliche Form und Größe der Brust, hat aber keine direkte Funktion bei der Milchbildung.
- Bindegewebe: Das Bindegewebe sorgt für Stabilität und Festigkeit der Brust.
- Brustwarze (Mamille) und Warzenhof (Areola): Hier münden die Milchgänge. Der Warzenhof enthält Talgdrüsen (sogenannte Montgomery-Drüsen), die die Haut schützen und pflegen.
Welche Funktion hat die Brust?
Die Hauptfunktion der Brust ist die Milchproduktion zur Ernährung eines Neugeborenen. Nach der Geburt wird in den Drüsenläppchen Milch gebildet, die über die Milchgänge an die Brustwarze gelangt.
Darüber hinaus ist die Brust ein sekundäres Geschlechtsmerkmal, das hormonellen Veränderungen unterliegt, z.B. während des Zyklus, in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Dadurch kann sich die Brust im Laufe des Lebens stark verändern, da neben Hormonen, Schwangerschaften und Stillzeiten, auch das Alter und Gewichtsschwankungen das Brustgewebe beeinflussen. Diese natürliche Variablität macht es besonders wichtig, die eigenen Brüste gut zu kennen, um ungewöhnliche Veränderungen frühzeitig zu bemerken.

Männer haben Brustwarzen, weil sich alle Embryonen am Anfang gleich entwickeln und diese Strukturen schon entstehen, bevor sich das Geschlecht ausprägt. Später stoppen männliche Hormone einfach die weitere Brustentwicklung, die Brustwarzen und wenig inaktives Drüsengewebe bleiben aber bestehen.
Die Hauptfunktion der Brust ist die Milchproduktion zur Ernährung eines Neugeborenen. Nach der Geburt wird in den Drüsenläppchen Milch gebildet, die über die Milchgänge an die Brustwarze gelangt.
Darüber hinaus ist die Brust ein sekundäres Geschlechtsmerkmal, das hormonellen Veränderungen unterliegt, z.B. während des Zyklus, in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Dadurch kann sich die Brust im Laufe des Lebens stark verändern, da neben Hormonen, Schwangerschaften und Stillzeiten, auch das Alter und Gewichtsschwankungen das Brustgewebe beeinflussen. Diese natürliche Variablität macht es besonders wichtig, die eigenen Brüste gut zu kennen, um ungewöhnliche Veränderungen frühzeitig zu bemerken.
Männer haben Brustwarzen, weil sich alle Embryonen am Anfang gleich entwickeln und diese Strukturen schon entstehen, bevor sich das Geschlecht ausprägt. Später stoppen männliche Hormone einfach die weitere Brustentwicklung, die Brustwarzen und wenig inaktives Drüsengewebe bleiben aber bestehen.
Was ist Brustkrebs und wie entsteht er?
Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, entsteht, wenn sich Zellen der Brustdrüse beginnen, unkontrolliert zu teilen und dabei in umliegendes Gewebe eindringen. Die Krebszellen können sich nachfolgend auch über Blut- und Lymphwege im Körper ausbreiten und in anderen Regionen neue Tumorherde (sogenannte Metastasen) bilden.

Warum entsteht Brustkrebs und welche Risikofaktoren gibt es?
Brustkrebs entsteht – wie die meisten Tumorarten – in den häufigsten Fällen ohne einen direkten, einmaligen Auslöser. Die natürliche Teilung unserer Zellen ist nicht perfekt, sodass sich immer wieder kleine Fehler oder Schäden in das Erbgut (DNA) aller Zellen einschleichen können. Nicht alle Fehler führen zu einem Tumor, meist sind es bestimmte DNA-Veränderungen, die zusammen auftreten müssen. Ob das passiert (und wo es passiert), ist meist Zufall. Zusätzlich gibt es jedoch eine Reihe von Risikofaktoren, die mit einer höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit einhergehen:
- Übergewicht und wenig Bewegung, vor allem nach den Wechseljahren
- Rauchen und Alkoholkonsum
- Hormonersatztherapie (mit Östrogernen und Gestagenen) in und nach den Wechseljahren
- Familiäre Belastung / genetische Faktoren, also ein gehäuftes Auftreten von Brust- und/oder Eierstockrebs in der Familie (z.B. Mutter oder Schwester)
- Höheres Lebensalter, das Risiko steigt ab etwa 50 Jahren
Welche Arten von Brustkrebs gibt es?
Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Es gibt unterschiedliche Unterarten, die sich in ihrem Verhalten, ihrer Behandlung und ihrer Prognose deutlich unterscheiden. Daher muss eine Therapie auch stets individuell besprochen und geplant werden.
Von frühem Brustkrebs oder Brustkrebs im Frühstadium spricht man, wenn der Tumor auf die Brust und eventuell nahegelegene Lymphknoten beschränkt ist und sich noch nicht in andere Körperregionen ausgebreitet hat.
Ist der Brustkrebs bereits fortgeschritten und hat andere Organe oder Gewebe im Körper befallen, spricht man von einem metastasierten Brustkrebs.
Brustkrebs wird unter anderem danach eingeteilt, ob Tumorzellen bereits in umliegendes Gewebe eingedrungen und damit invasiv sind oder sich auf die Brust beschränken (nicht-invasiv).
Nicht-invasiver Brustkrebs ist eine Vorstufe, bei denen sich die Brustzellen bereits verändert, aber noch nicht das umliegende Gewebe infiltriert haben. Man unterscheidet zwischen vier Brustkrebs-Vorstufen:
Duktales Carcinoma in situ (DCIS): entsteht in den Milchgängen (duktal). Die Zellen sind verändert, aber nicht invasiv, also noch nicht in das umliegende Gewebe vorgedrungen.
Atypische duktale Hyperplasie (ADH): entsteht ebenso in den Milchgängen, die Zellen sind zwar verändert aber noch keine echten Krebszellen.
Lobuläres Carcinoma in situ (LCIS): wie das DCIS, allerdings nicht in den Milchgängen, sondern in den Drüsenläppchen (Lobuli).
Flache epitheliale Atypie (FEA): hier finden sich die veränderten Zellen im Deckgewebe (Epithel) der Milchgänge und/oder der Drüsenläppchen.
Von invasivem Brustkrebs spricht man, sobald die Krebszellen die Gewebsgrenzen überwunden und sich in das umliegende Gewebe ausgebreitet haben. Dadurch können sie auch über das Blut- oder Lymphsystem Metastasen bilden.
Invasiv duktales Karzinom (IDC): dies ist die häufigste Form der Brustkrebserkrankungen. Es entsteht in den Milchgängen und breitet sich dann in das umliegende Gewebe aus.
Invasiv lobuläres Karzinom (ILC): entsteht in den Drüsenläppchen und wächst oft eher diffus und ist dabei meist schwerer tast- oder sichtbar.
Brustkrebs wird oft auch nach biologischen Merkmalen der Tumorzellen eingeteilt. Besonders wichtig sind dabei bestimmte „Andockstellen“, sogenannte Rezeptoren, auf oder in den Zellen, die das Tumorwachstum beeinflussen können. Besonders wichtig für das Mammakarzinom sind Östrogen- und Progesteronrezeptoren, sowie der HER2-Rezeptor.
Hormonrezeptorpositiver Brustkrebs (HR-positiv, HR+) reagiert auf Hormone wie Östrogen oder Progesteron mit Wachstum. Er trägt viele der entsprechenden Rezeptoren auf der Oberfläche und wächst somit hormonabhängig. Ein Großteil der Brustkrebsfälle sind hormonrezeptorpositiv und lassen sich mit einer Hormontherapie behandeln.
HER2 ist ein Wachstumsfaktor-Rezeptor auf der Oberfläche von Zellen. Bei HER2-positivem Brustkrebs sind diese Rezeptoren stark überproduziert, was zu einem schnellerem Wachstum führt. Etwa 15-20% der Betroffenen haben diese Form von Brustkrebs. Die Behandlung erfolgt mit einer HER2-gerichteten Therapien.
Beim Triple-negativen Brustkrebs (TNBC) besitzen die Zellen weder Rezeptoren für Östrogen und Progesteron noch haben sie den HER2-Rezeptor vermehrt auf ihrer Oberfläche. Etwa 15% der Betroffenen haben diese Form des Brustkrebs. Hier können keine Hormon- oder zielgerichteten Therapien zum Einsatz kommen, weswegen oft Chemotherapien und mittlerweile auch moderne Immuntherapien zur Behandlung eingesetzt werden.
Etwa 5-10 % der Brustkrebserkrankungen entstehen aufgrund einer erblichen genetischen Veränderung, einer sogenannten Mutation, die das persönliche Erkrankungsrisiko deutlich erhöhen kann. Besonders bekannt sind Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2 (Breast Cancer). Diese Gene haben im gesunden Zustand eine wichtige Schutzfunktion: sie helfen dem Körper Schäden im Erbgut zu reparieren und so die Entstehung von Krebs zu verhindern. Wenn jedoch eine Veränderung in den BRCA-Genen vorliegt, funktioniert dieser Reperaturmechanismus nicht mehr zuverlässig. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Zellen unkontrolliert teilen und ein Tumor entsteht.
Menschen mit einer BRCA-Mutation haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Ein erster Hinweis auf solch erbliche Risikofaktoren sind mehrere an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankte Familienangehörige. Ein genetischer Test zusammen mit einer ausführlichen genetischen Beratung kann Aufschluss über die eigene Belastung bringen. Ein positiver BRCA-Befund bedeutet dabei jedoch nicht, dass die Person auf jeden Fall an Brustkrebs erkrankt, erhöht aber das Risiko dafür. Somit hat man die Möglichkeit eine gezielte Vorsorge zu betreiben, um das Risiko zu senken und eine frühzeitige Erkennung zu ermöglichen.
Inflammatorischer Brustkrebs
Der inflammatorische oder entzündliche Brustkrebs ist eine seltene und sehr aggressive Form von Brustkrebs. Statt tastbarer Knoten zeigen sich entzündungsähnliche Veränderungen der Brust wie Rötungen, Schwellungen, erhöhte Temperatur oder eingezogene Haut (Orangenhaut-Struktur). Diese Symptome entstehen, da die Tumorzellen die Lymphbahnen der Haut blockieren.
Morbus Paget der Brustwarze
Morbus Paget der Brust in eine seltene Erscheinungsform von Brustkrebs. Dabei handelt es sich um einen Tumor, der die Haut der Brustwarze und des Warzenhofes befällt. Typisch hierbei sind Veränderungen, die leicht mit einem Hautausschlag verwechselt werden können. Die Brustwarze kann gerötet, schuppig, juckend oder verkrustet erscheinen. Ein wichtiges Warnsignal ist, wenn nur eine Brust betroffen ist. Morbus Paget entsteht meist wenn Krebszellen aus einem duktalen Karzinom in die Haut der Brustwarze wandern.
Auch wenn Brustkrebs häufig als „Frauenkrankheit“ wahrgenommen wird, können auch Männer daran erkranken. Tatsächlich betrifft Brustkrebs bei Männern etwa 600–700 Personen pro Jahr in Deutschland, was ungefähr 1 % aller Brustkrebsfälle ausmacht.
Männer haben – genau wie Frauen – Brustdrüsengewebe, in dem sich bösartige Tumoren entwickeln können. Häufig wird die Erkrankung bei Männern allerdings später entdeckt, da viele Betroffene Veränderungen in der Brust nicht sofort wahrnehmen oder nicht mit Brustkrebs in Verbindung bringen. Typische Symptome können ein Knoten hinter der Brustwarze, Veränderungen der Brustwarze, Einziehungen, Ausfluss oder Hautveränderungen sein.
Die biologischen Eigenschaften männlicher Brustkrebserkrankungen ähneln oft denen bei Frauen, insbesondere den hormonrezeptorpositiven Formen, sodass ähnliche Therapieansätze wie Hormontherapie, Operation, Bestrahlung oder medikamentöse Behandlungen eingesetzt werden.
Eine frühe Diagnose verbessert auch bei Männern die Prognose deutlich. Deshalb sollten ungewöhnliche Veränderungen an Brust oder Brustwarze immer ärztlich abgeklärt werden.
Prognose
Die Prognose von Brustkrebs hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das liegt vor allem an moderner Diagnostik, wirksameren Therapien sowie einer deutlich besseren Früherkennung. Je früher die Erkrankung entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen.
Heute liegt die relative 10-Jahres-Überlebensrate für Frauen mit Brustkrebs über alle Patientinnen hinweg bei 83% (Zentrum für Krebsregisterdaten vom Robert-Koch-Institut). Das bedeutet, dass mehr als 8 von 10 Betroffenen auch 10 Jahre nach der Diagnose noch leben.
Die individuelle Aussicht auf Heilung hängt dabei von mehrere Faktoren ab:
- Tumorstadium bei Diagnose
- Biologische Eigenschaften des Tumors
- Ansprechen auf die Therapie
- Allgemeiner Gesundheitszustand der betroffenen Person
Früh diagnostizierter Brustkrebs ist häufig gut behandelbar und hat sehr hohe Heilungschancen. Auch bei fortgeschrittenen oder metastasierten Formen stehen heute viele moderne Therapieoptionen zur Verfügung, auch wenn eine Heilung hier nicht mehr möglich ist.
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen, Rückfälle früh zu erkennen und mögliche Nebenwirkungen zu behandeln. Diese strukturierte Nachsorge ist ein wichtiger Bestandteil für eine stabile Langzeitprognose.

Früherkennung und Diagnose von Brustkrebs
Symptome von Brustkrebs
Zu Beginn verursacht Brustkrebs oft keine Beschwerden. Dennoch gibt es typische Warnsignale:
- Knoten oder Verhärtungen in der Brust oder im Achselbereich
- Veränderungen der Brustform
- Eingezogene Hautstellen, auch als Orangenhaut bezeichnet
- Eingezogene oder veränderte Brustwarzen
- Flüssigkeitsaustritt aus der Brustwarze
- Schwellungen oder Schmerzen in der Brust, oft auch Zyklus-abhängig
Vorsorge – Früherkennung
Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Deshalb empfiehlt es sich, regelmäßig die Brust selbst nach Veränderungen zu untersuchen und abzutasten. Eine Anleitung dazu findet sich hier. Ab dem 30. Lebensjahr wird in Deutschland eine jährliche Tastuntersuchung empfohlen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen hierbei die Kosten für die Vorsorgeuntersuchung.

Zwischen 50 und 69 Jahren findet zusätzlich ein regelmäßiges Mammographie-Screening, eine spezielle Röntgenuntersuchung, statt. Dieses findet alle 2 Jahre statt. Sollte eine Mammographie nicht möglich oder empfohlen sein, kann auch eine Ultraschalluntersuchung stattfinden, diese wird aber nicht routinemäßig für die Früherkennung genutzt sondern häufig nur ergänzend.
Diagnose von Brustkrebs
Sollte der Verdacht einer Brustkrebserkrankung bestehen, wird nach einem ärztlichen Gespräch eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt. Hierbei helfen bildgebende Untersuchungen wie Mammographie, Ultraschall oder ein MRT (Magnetresonantomographie). Für eine sichere Diagnose wird der Brust eine Gewebeprobe per Biopsie entnommen. Hier können bestimmte Biomarker, spezielle Eigenschaften von Zellen, bestimmt werden, um eine endgültige Diagnose zu stellen.
Wie fortgeschritten die Brustkrebserkrankung ist erfolgt über eine Stadienbestimmung mittels der TNM-Klassifikation. T steht hierbei für die Tumorgröße und -ausdehnung (T1-T4), N für den Lymphknotenbefall (N0-N3) und M für Metastasen (M0 oder M1). Diese Einteilung hilft dabei, den Brustkrebs genau zu kategorisieren und eine individuelle Therapie zu finden.
Zudem gibt es die UICC-Einteilung (Union Internationale Contre le Cancer), die diese Informationen zu übersichtlichten Stadien von 0 bis IV zusammenfasst. Diese Stadien helfen dabei, den Schweregrad der Erkrankung besser einzuordnen und sich zu orientieren, was die Diagnose konkret bedeutet. Sie bilden somit eine Art „Grobeinordnung“, während die TNM-Klassifikation Details liefert.
Die UICC‑Stadien reichen von Stadium 0, also einer sehr frühen Vorstufe (Carcinoma in situ), bis Stadium IV, in dem der Krebs bereits Fernmetastasen gebildet hat. Frühere Stadien bedeuten, dass der Tumor lokal begrenzt ist und weder Lymphknoten noch andere Organe betroffen sind. In Stadium I liegt ein kleiner, auf die Brust begrenzter Tumor ohne Lymphknotenbefall vor. Stadium II umfasst bereits größere Tumoren oder solche, bei denen erste Lymphknoten in der Achsel betroffen sind, jedoch ohne Hinweise auf Fernmetastasen. In Stadium III hat sich der Tumor weiter ausgedehnt – er kann größer sein, in die Haut oder Brustwand eingewachsen sein oder mehrere Lymphknoten befallen, jedoch ohne Fernmetastasen. Erst wenn der Krebs sich auf andere Körperregionen wie Knochen, Lunge, Leber oder Gehirn ausgebreitet hat, spricht man von Stadium IV, dem metastasierten Brustkrebs.
Die UICC‑Stadieneinteilung führt also die komplexen TNM‑Daten zu klar verständlichen Kategorien zusammen. Sie ist ein wichtiges Instrument, um Betroffenen verständlich zu machen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat – und bildet zusammen mit biologischen Tumormerkmalen wie Hormon- oder HER2‑Status die Grundlage für eine individuelle Therapieplanung.
Tiefergehende Informationen finden sich in der aktuellen Leitlinie für Brustkrebs S3-Leitlinie zum Mammakarzinom – Deutsche Krebsgesellschaft.
Behandlungsmöglichkeiten von Brustkrebs
Die Behandlung von Brustkrebs besteht aus mehreren Bausteinen, die individuell auf die Art des Tumors, das Stadium der Erkrankung und die persönliche gesundheitliche Situation abgestimmt werden. In der Regel kommen operative Verfahren, Bestrahlung sowie verschiedene medikamentöse Therapien, wie Hormon-, Chemo-, Immun- oder andere zielgerichtete Therapien zum Einsatz. Jede dieser Methode hat einen eigenen Zweck und kann je nach Situation kombiniert werden, um die bestmögliche Prognose zu erreichen.
Zu Beginn steht oft die Operation der Brust im Zentrum der Behandlung. Hier versuchen Ärzt*innen den Tumor vollständig aus der Brust zu entfernen. Wenn möglich wird die Brust dabei erhalten, indem nur das Tumorgewebe und ein kleiner Sicherheitsbereich entfernt werden (= brusterhaltende Therapie BET). Ist der Tumor jedoch größer, ungünstig gelegen oder treten mehrere Krebsherde auf, kann eine Entfernung der gesamten Brust nötig sein. In diesem Fall spricht man von einer Mastektomie. Auch Lymphknoten in der Achselhöhle werden häufig mituntersucht oder entfernt, um festzustellen, ob Krebszellen bereits dorthin gewandert sind. Wie bei allen operativen Eingriffen bestehen Risiken wie Schmerzen, Blutergüsse oder Wundheilungsstörungen; manchmal können Schwellungen wie ein sogenanntes Lymphödem entstehen, wenn viele Lymphknoten betroffen sind. Manche Betroffene bemerken auch Veränderungen im Gefühl oder in der Form der Brust.
Nach einer Operation folgt häufig eine Strahlentherapie – insbesondere dann, wenn die Brust erhalten wurde (brusterhaltende Therapie, BET). Die Strahlentherapie zerstört verbliebene Krebszellen im Brustgewebe und senkt das Risiko, dass der Tumor zurückkehrt. Die Strahlentherapie nutzt zielgerichtet Röntgen- oder Elektronenstrahlen. Dabei begrenzt man das bestrahlte Areal so, dass das umliegende Gewebe weitestgehend geschützt bleibt. Viele Menschen vertragen die Bestrahlung gut, dennoch können kurzfristige Nebenwirkungen wie Hautrötungen, Müdigkeit oder ein Spannungsgefühl auftreten. Die bestrahlte Haut kann einige Wochen empfindlich sein, ähnlich wie nach einem Sonnenbrand. In seltenen Fällen können später verhärtete Gewebebereiche entstehen, doch moderne Bestrahlungsmethoden sind sehr zielgenau und schonend.
Ein weiterer zentraler Pfeiler der Behandlung sind medikamentöse Therapien, die im ganzen Körper wirken. Hierzu zählen die Hormontherapie, Chemotherapie, HER2‑gerichtete Therapien sowie immun- oder andere zielgerichtete Medikamente. Welche dieser Behandlungen sinnvoll ist, hängt maßgeblich von den biologischen Eigenschaften des Tumors ab.
Bei HER2‑positivem Brustkrebs stehen zielgerichtete Antikörpertherapien im Mittelpunkt. Diese Medikamente erkennen das übermäßig vorhandene HER2‑Protein auf der Oberfläche der Tumorzellen und blockieren es gezielt. Dadurch wird das Wachstum reduziert. Die Behandlung hat die Prognose für diese Tumorart in den letzten Jahren erheblich verbessert. Mögliche Nebenwirkungen umfassen Müdigkeit, grippeähnliche Beschwerden oder akute Reaktionen auf die Infusion. Selten kann die Herzfunktion beeinflusst werden, weshalb regelmäßige Herzuntersuchungen empfohlen werden.
Ergänzend zu all diesen Therapeutika spielen Maßnahmen wie Sport, Rehabilitation, physiotherapeutische Angebote, Ernährungsempfehlungen oder psychoonkologische Unterstützung eine wichtige Rolle. Sie helfen, die Gesamtprognose zu verbessern, Nebenwirkungen besser zu bewältigen, Kraft für den Alltag zurückzugewinnen und die persönliche Lebensqualität zu steigern. Sie ersetzen keine medizinische Behandlung, sind aber ein wichtiger Teil des Weges durch die Erkrankung und darüber hinaus.
Zusammenfassend ist Brustkrebs eine häufige, aber heute in vielen Fällen gut behandelbare Erkrankung. Entscheidend für eine gute Prognose ist die frühe Erkennung, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und ein Gefühl für die eigene Brust so wichtig sind. Es gibt verschiedene Formen von Brustkrebs, die sich in ihrem Verhalten und ihrer Behandlung unterscheiden, doch moderne Diagnoseverfahren und zielgerichtete Therapien haben die Erfolgschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Nicht jeder Knoten bedeutet Krebs, aber jede ungewohnte Veränderung sollte ärztlich abgeklärt werden. Je besser man informiert ist, desto leichter fällt es, Warnzeichen richtig einzuordnen und die eigenen Möglichkeiten zur Prävention und Früherkennung zu nutzen. Für weitere und tiefergehende Informationen finden sich auf der Seite Leben mit Brustkrebs: Mit der Krebserkrankung umgehen zusätzliche Inhalte.
Prostatakrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken jährlich rund 65.000 Männer in Deutschland neu daran.
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, gehört zu den inneren Geschlechtsorganen von Männern und liegt unterhalb der Harnblase. Die Prostata produziert eine Flüssigkeit, die wichtig für die Beweglichkeit und Gesundheit der Spermien ist. Beim Samenerguss sorgt sie dafür, dass sich die Samenflüssigkeit mit den Spermien vermischt und alles korrekt durch die Harnröhre geleitet wird. Außerdem hilft sie dabei, das männliche Geschlechtshormon Testosteron in eine besonders wirksame Form umzuwandeln. Meist wächst ein Tumor im Bereich der Prostata langsam, doch manche Formen sind aggressiv und können in andere Organe streuen. Früh erkannt, lässt sich Prostatakrebs oft gut behandeln.
Ursachen und Risikofaktoren
Wie Prostatakrebs entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Das Erkrankungsrisiko steigt jedoch mit dem Alter deutlich an. Auch die familiäre, d.h. eine genetische Veranlagung, erhöht das Risiko einer Erkrankung. Das heißt wenn Vater oder Bruder betroffen sind, steigt die Wahrscheinlichkeit bei einem selbst deutlich.
Des Weiteren fördern Hormone wie Testosteron das Wachstum von Prostatazellen und können ebenfalls eine Rolle spielen. Lebensstilfaktoren wie ungesunde Ernährung, Übergewicht, Rauchen und Alkohol erhöhen das allgemeine Krebsrisiko. Manche Studien weisen zudem auf einen Zusammenhang mit chronischen Entzündungen der Prostata hin.

Wie macht sich Prostatakrebs bemerkbar?
Im frühen Stadium haben Betroffene meist keine Beschwerden. Erst wenn der Tumor größer wird, können Symptome auftreten.
Typische Anzeichen für Prostatakrebs sind etwa:
- abgeschwächter oder unterbrochener Harnstrahl
- häufiger Harndrang, besonders nachts
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
- Schmerzen im Becken oder Rücken
Da diese Beschwerden auch andere Ursachen haben können, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

Früherkennung und Diagnostik – Wie erkennt man Prostatakrebs?
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind entscheidend, um Prostatakrebs früh zu erkennen. Ab dem 45. Lebensjahr wird eine jährliche Tastuntersuchung über den Enddarm empfohlen, bei familiärer Vorbelastung, d.h. wenn ein Familienmitglied an Prostatakrebs erkrankt war oder ist, bereits schon ab 40.
Zeigen sich Auffälligkeiten, kann eine Blutuntersuchung den sogenannten PSA-Wert bestimmen. PSA steht für prostataspezifisches Antigen, ein Eiweiß aus der Prostata, das die Samenflüssigkeit verflüssigt. Es ist hauptsächlich im Ejakulat, aber auch in geringer Menge im Blut messbar. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hinweisen, aber auch durch eine gutartige Vergrößerung oder Entzündung entstehen. Deshalb reicht der PSA-Test allein nicht für eine sichere Diagnose und wird mit weiteren Untersuchungen kombiniert.
Zusätzlich werden bildgebende Verfahren, wie der transrektale Ultraschall, zum Erkennen von Prostatakrebs eingesetzt. Dabei wird eine kleine Ultraschallsonde über den Enddarm eingeführt, um die Prostata aus nächster Nähe darzustellen. Eine Gewebeentnahme (Biopsie) ist notwendig, um die Diagnose sicher zu bestätigen.
Der sogenannte Gleason-Score bewertet die Aggressivität von Prostatakrebs. Er wird aus Gewebeproben der Prostata ermittelt und basiert darauf, wie stark sich die Krebszellen unter dem Mikroskop von normalen Prostatazellen unterscheiden. Der Gleason-Score bewertet auf einer Skala zwischen 6 (wenig aggressiv) und 10 (sehr aggressiv). Je höher der Score, desto schneller wächst der Tumor und desto größer ist das Risiko für eine Ausbreitung.
Stadien des Prostatakarzinoms
Prostatakrebs wird in drei Hauptstadien eingeteilt:
- Lokal begrenzter Prostatakrebs: Der Tumor ist auf die Prostata beschränkt.
- Lokal fortgeschrittener Prostatakrebs: Der Tumor ist über die Prostata hinaus in umliegendes Gewebe wie die Samenblasen gewachsen, hat aber noch keine Metastasen gebildet.
- Metastasierender Prostatakrebs: Der Krebs hat gestreut, d.h. Metastasen gebildet, meist in Lymphknoten oder Knochen.
Therapieformen und Behandlungsstrategien
Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen bei Prostatakrebs, die je nach Stadium, Aggressivität des Tumors, Alter und Gesundheitszustand des Patienten individuell kombiniert werden können.
1. Aktives Überwachen (Active Surveillance)
Bei langsam wachsenden, wenig aggressiven Tumoren wird zunächst nur regelmäßig kontrolliert, ohne sofort zu behandeln. Dies ist vor allem bei älteren Patienten oder niedrigem Risiko sinnvoll.
2. Operation (Radikale Prostatektomie)
Die vollständige Entfernung der Prostata ist eine Standardtherapie bei lokal begrenztem Krebs mit Heilungsziel.
3. Strahlentherapie
Bestrahlung von außen oder innen (Brachytherapie) zerstört Krebszellen und wird oft als Alternative zur Operation eingesetzt.
4. Hormontherapie
Senkt den Testosteronspiegel, um das Wachstum hormonabhängiger Tumoren zu bremsen. Sie wird häufig bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Krebs eingesetzt.
5. Chemotherapie
Kommt bei fortgeschrittenem oder kastrationsresistentem Prostatakrebs zum Einsatz, wenn andere Therapien nicht mehr wirken.

6. Moderne Ansätze
Radioligandentherapie (RLT):
Zielgerichtete Bestrahlung von Krebszellen über PSMA-Marker. PSMA (Prostataspezifisches Membranantigen) ist ein Eiweiß, das hauptsächlich auf den Zellen der Prostata vorkommt. Bei Prostatakrebs ist dieses Eiweiß in besonders großer Menge vorhanden – wie ein „Marker“, der die Krebszellen kennzeichnet.
Immuntherapie:
Immuntherapie hilft dem Immunsystem, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen, indem sie deren „Tarnung“ entfernt. Medikamente wie Checkpoint-Inhibitoren lösen Bremsen im Immunsystem, damit es aktiv wird. So bekämpfen die eigenen Abwehrzellen den Tumor gezielt.
Nachsorge und Lebensqualität
Bei einer erfolgreichen Behandlung folgt eine strukturierte Nachsorge. Regelmäßige PSA-Kontrollen und körperliche Untersuchungen helfen, Rückfälle früh zu erkennen.
Kommt es durch die Therapie zu Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen, lassen sich diese häufig durch gezielte Rehabilitationsmaßnahmen verbessern.
Klinische Forschung: Entwicklung individueller Therapien
Regelmäßige Vorsorge, präzise Diagnostik und auf die Betroffenen abgestimmte Therapien sind entscheidend für eine gute Prognose.
Die Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieverfahren erweitert die Möglichkeiten zur zielgerichteten Krebsbekämpfung. Beispielsweise eröffnen personalisierte Behandlungsansätze und Immuntherapien neue Perspektiven, indem sie das körpereigene Immunsystem gezielt gegen Tumorzellen aktivieren. Moderne Bildgebung und KI-gestützte Analysen verbessern die Erkennung und Verlaufsbeurteilung von Tumoren.
Damit trägt die klinische Forschung dazu bei, die Lebensqualität und Heilungschancen bei Prostatakrebs weiter zu verbessern.
FA-11554805, 11/2025
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Laut Angaben der Stiftung Deutsche Krebshilfe erkranken in Deutschland jährlich rund 70.000 Patientinnen neu daran, Männer sind mit ca. 1% deutlich seltener betroffen. Regelmäßige Vorsorgemaßnahmen und die damit einhergehende Früherkennung von Brustkrebs können die Risiken für schwere Verläufe verringern. Für die Verbesserung der Heilungschancen sind eine frühe Diagnose, die passende Behandlung sowie weitere Fortschritte in der klinischen Forschung entscheidend.
Anzeichen, Risikofaktoren und Sonderformen von Brustkrebs
Brustkrebs wird medizinisch auch Mammakarzinom genannt. Er entsteht, wenn Zellen in der Brust anfangen, sich unkontrolliert zu vermehren. Normalerweise teilen sich Zellen geordnet, aber bei Krebserkrankungen wie Brustkrebs ist dieser Prozess gestört, z.B. durch bestimmte Veränderungen (Mutationen) im Erbgut (DNA). Solche Veränderungen können zufällig passieren oder durch äußere Einflüsse wie Hormone, Alter, familiäre Veranlagung oder Umweltfaktoren begünstigt werden. Die veränderten Zellen können sich zu einem Tumor entwickeln, im schlimmsten Fall in andere Körperbereiche streuen und sogenannte Metastasen ausbilden. Das Krankheitsbild bei Brustkrebs reicht von langsam wachsenden bis hin zu aggressiveren Varianten. Typische Hinweise sind tastbare Knoten oder Verhärtungen, die sich vom gesunden Gewebe abgrenzen.
Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen genetische Mutationen, familiäre Vorbelastung, hormonelle Einflüsse, ungesunder Lebensstil und Übergewicht.

Inflammatorischer Brustkrebs: Seltenere, aber aggressivere Variante
Ist Brustkrebs inflammatorisch (entzündlich), erscheint die Brust gerötet, überwärmt und geschwollen. Diese Symptome entstehen, wenn sich die Krebszellen in den Lymphbahnen der Haut ausbreiten und dort eine Entzündung vortäuschen. Diese Form des Mammakarzinoms ist besonders aggressiv. Sie weist in mehreren Punkten deutliche Unterschiede zu anderen Brustkrebsarten auf. Diese Art tritt häufig nicht in Form einer erkennbaren Geschwulst in der Brust auf und lässt sich deshalb auch nicht immer zuverlässig bei einer Mammographie, einer speziellen Röntgenuntersuchung, nachweisen. Das macht die Diagnose schwieriger. Zudem tritt diese besondere Form von Brustkrebs häufiger bei jüngeren Frauen unter 40 Jahren auf.

Diagnose und Vorsorgemöglichkeiten
In Deutschland wird Frauen ab dem 30. Lebensjahr eine jährliche Tastuntersuchung empfohlen. Das regelmäßige Mammographie-Screening, eine spezielle Röntgenuntersuchung zur frühzeitigen Erkennung von Brustkrebs, richtet sich an Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Vor allem bei einer familiären Vorbelastung ist eine engmaschige Kontrolle sinnvoll.
Treten bei diesen Kontrollen Auffälligkeiten auf, ist eine genauere Begutachtung notwendig. Die Diagnose beginnt mit einem ärztlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Bildgebende Verfahren wie Mammographie und Ultraschall geben wichtige Hinweise. Im Ultraschall wird Brustkrebs häufig als unregelmäßig begrenzte Struktur sichtbar. Durch die Entnahme von Gewebe (Biopsie) können vorhandene Biomarker bestimmt und eine endgültige Diagnose erstellt werden. Biomarker sind spezielle Eigenschaften von Zellen und helfen, eine passende Behandlung zu finden. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann als bildgebendes Verfahren ergänzend Informationen für die individuelle Therapieplanung liefern.
Therapieformen, Nebenwirkungen und Heilungschancen
Die Behandlung richtet sich nach Stadium der Brustkrebserkrankung, also wie weit die Krankheit fortgeschritten ist und verschiedenen individuellen Faktoren. Zu den etablierten Verfahren zählen Operationen zur Entfernung des Tumors oder der gesamten Brust, Chemotherapien zur Bekämpfung der Krebszellen, Hormontherapie bei hormonabhängigen Tumoren und Strahlentherapie zur Zerstörung verbliebener Krebszellen. Behandlungen gegen Krebs können Nebenwirkungen verursachen, weil sie nicht nur die kranken, sondern auch gesunde Zellen im Körper beeinflussen. Während die Strahlenbehandlung vor allem lokale Nebenwirkungen wie Hautreizungen verursachen kann, können Haarausfall, Müdigkeit und Übelkeit eine mögliche Folge einer begleitenden Chemotherapie sein. Eine mögliche vollständige körperliche und psychische Erholung kann mehrere Monate beanspruchen. Eine gezielte Rehabilitation durch spezielle Programme oder psychologische Beratung unterstützt diesen Prozess.
Heilungschancen hängen wesentlich davon ab, wie früh der Krebs entdeckt wurde und wie schnell der Tumor wächst. Während manche Karzinome über Jahre hinweg langsam wachsen, können aggressive Varianten innerhalb weniger Monate fortschreiten. In frühen Stadien ist die Genesungsperspektive aufgrund moderner Verfahren sehr gut.
Brustrekonstruktion
Nach einer Brustoperation, insbesondere wenn die gesamte Brust entfernt wurde (Masektomie) gibt es die Möglichkeit die Brust wieder aufzubauen (sogenannte Brustrekonstruktion). Dabei gibt es zwei Hauptwege, wie die Brust wieder hergestellt werden kann. Entweder geschieht dies, indem Silikonimplantate eingesetzt werden, oder indem über eine Eigengewebsrekonstruktion körpereigenes Gewebe, z.B. aus dem Bauch oder Rücken entnommen und zur Brustformung verwendet wird. Eine Rekonstruktion kann dabei direkt bei der Brustoperation stattfinden, oder auch Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Krebsbehandlung. Die Entscheidung hierzu hängt von der individuellen Situation, dem Gesundheitszustand und den persönlichen Wünschen ab.
Brustkrebs bei Männern
Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, wenn auch deutlich seltener als Frauen. Typische Anzeichen sind schmerzlose Verhärtungen und Knoten in der Brust, Einziehungen der Haut oder Flüssigkeitsaustritt. Bei etwa der Hälfte der Brustkrebsfälle bei Männern sind auch die Lymphknoten in den Achselhöhlen betroffen. Da Männer seltener zur Vorsorge gehen, wird die Erkrankung oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Deshalb sollte beim Auftreten der genannten Symptome eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Die Behandlungsformen entsprechen weitgehend denen bei Frauen.
Klinische Forschung: Zukunft der Brustkrebs-Therapie
Die klinische Forschung ist Grundlage für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden – von zielgerichteten Medikamenten über Immuntherapien bis hin zu personalisierten Ansätzen, die die genetischen Eigenschaften des Tumors berücksichtigen. Ziel ist es, Behandlungen noch wirksamer und verträglicher zu gestalten.

FA-11515712, 09/2025
Krebs ist eine Krankheit, bei der sich bestimmte Zellen im Körper unkontrolliert vermehren. Diese Zellen können gesundes Gewebe verdrängen und die normale Funktion von Organen stören. Bei Kindern und Jugendlichen tritt Krebs deutlich seltener auf als bei Erwachsenen, aber gilt in dieser Altersgruppe als die häufigste krankheitsbedingte Todesursache.
Es gibt viele verschiedene Arten von Krebs. Manche betreffen das Blut, wie Leukämie, andere entstehen in Organen oder im Gehirn.
Für betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien ist die Diagnose meist ein großer Schock. Dieser Beitrag soll helfen, relevante Fakten bereitzustellen, einen Überblick über das Thema zu geben und Fragen zu klären.
Häufigkeit von Krebs im Kinder- und Jugendalter
Laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) treten in Deutschland jährlich ca. 2.250 neu diagnostizierte Fälle auf. Obwohl Krebserkrankungen in dieser Altersgruppe verhältnismäßig selten sind, zählen sie zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen. Dank moderner Therapien und intensiver Forschung verbessern sich die Heilungschancen seit Jahren stetig.
Häufigste Krebsarten bei Kindern und Jugendlichen
Das Spektrum der Krebserkrankungen bei unter 18-Jährigen unterscheidet sich von dem Erwachsener.
Leukämie (Blutkrebs):
Leukämie ist eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems, bei der sich unreife weiße Blutkörperchen unkontrolliert vermehren und dadurch die normale Blutbildung im Knochenmark stören. Die Leukämie stellt rund ein Drittel aller Krebsfälle im Kinder- und Jugendalter dar. Am häufigsten tritt dabei die akute lymphatische Leukämie (ALL) auf. Die akute myeloische Leukämie (AML) betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder.
Hirntumore:
Ein Hirntumor ist eine abnorme Gewebewucherung im Gehirn, die durch unkontrolliertes Zellwachstum entsteht und je nach Lage und Art verschiedene Funktionen des Nervensystems beeinträchtigen kann. Sie machen etwa 20 % der Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen aus.
Lymphome:
Ein Lymphom ist eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems, bei der sich bestimmte Immunzellen unkontrolliert vermehren und Lymphknoten sowie andere Organe befallen können. Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome bilden zusammen rund 14 % der Fälle. Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome unterscheiden sich vor allem darin, dass bei Hodgkin-Lymphomen bestimmte charakteristische Zellen (sogenannte Reed-Sternberg-Zellen) im Lymphgewebe nachweisbar sind, während diese bei Non-Hodgkin-Lymphomen fehlen und die Erkrankung vielfältigere Formen annehmen kann.
Neuroblastome und Weichteilsarkome:
Ein Neuroblastom ist ein bösartiger Tumor, der sich aus unreifen Nervenzellen des sympathischen Nervensystems entwickelt und meist bei kleinen Kindern im Bereich der Nebenniere oder entlang der Wirbelsäule auftritt. Ein Weichteilsarkom ist eine seltene Form von Krebs, die im stützenden Gewebe des Körpers entsteht, d.h. in Fett, Muskeln, Sehnen, Bändern, Blutgefäßen oder tiefem Hautgewebe, und in nahezu allen Körperregionen auftreten kann. Diese Krebsarten stellen jeweils etwa 6 % der Fälle dar.
Typische Anzeichen für Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter
Die ersten Symptome sind oft unspezifisch und variieren je nach Erkrankung. Häufige Warnsignale sind anhaltende Müdigkeit, Blässe, Appetitverlust, Gewichtsabnahme, wiederkehrende Infekte, ungeklärte Schmerzen, Fieber ohne Ursache oder nächtliches Schwitzen.
Darüber hinaus gibt es spezifische Anzeichen für die unterschiedlichen Krebsarten:
Anzeichen für Leukämie
- Häufige Infekte
- Blutungen oder blaue Flecken ohne erkennbaren Grund
- Knochenschmerzen
- Nachtschweiß
Symptome bei Hirntumoren
- Kopfschmerzen, insbesondere am Morgen
- Übelkeit und Erbrechen
- Gleichgewichtsstörungen
- Sehstörungen
- Auffällige Verhaltensänderungen
Symptome bei Lymphomen
- Schmerzlose Schwellungen von Lymphknoten
- Anhaltendes Fieber
- Starker Gewichtsverlust
- Nächtliches Schwitzen
Anzeichen für Weichteilsarkome
- (Meist schmerzlose) Schwellungen oder Knoten im Gewebe
- Zunahme der Größe der Schwellungen
- Druck auf umliegende Organe möglich
Symptome bei Neuroblastomen
- Bauchschmerzen
- Tastbare Verhärtungen im Bauchraum
- Knochenschmerzen
Feststellung und Diagnose verschiedener Krebserkrankungen
Zur Abklärung werden verschiedene Verfahren genutzt. Blutuntersuchungen sind besonders bei Verdacht auf Leukämie wichtig. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT, CT oder Röntgen helfen, Tumoren zu lokalisieren. Häufig wird eine Biopsie durchgeführt, um Gewebeproben mikroskopisch zu untersuchen.
Bei Verdacht auf einen Hirntumor oder Blutkrebs kann ebenso eine Untersuchung des Nervenwassers (sogenannter Liquor) nötig sein. Zusätzlich können Tests auf Veränderungen im Erbgut (DNA) Aufschluss über die Tumorbiologie geben, die den Verlauf und die Behandlung der Erkrankung beeinflussen können. Diese sogenannten Gentests können zeigen, welche Medikamente bei dieser bestimmten Krebsart gut wirken könnten. So lässt sich die Behandlung gezielter planen und unnötige Therapien vermeiden.

Behandlungsmöglichkeiten und Therapieformen für krebskranke Kinder und Jugendliche

Die Therapie von Krebserkrankungen erfolgt meist in spezialisierten Kinderkrebszentren, der sogenannten pädiatrischen Onkologie und ist abhängig von der Krebsart, dem Krankheitsstadium sowie individuellen Faktoren. Bei Leukämien ist die Chemotherapie die gängigste Therapieform. In bestimmten Fällen ist zusätzlich eine Stammzelltransplantation notwendig. Hirntumore und Weichteilsarkome werden meist operativ entfernt.
Zusätzlich bietet sich teilweise die Kombination mit einer Strahlentherapie an.
Neuroblastome und Lymphome erfordern meist eine multimodale Therapie, es werden also verschiedene Therapieformen kombiniert, wie zum Beispiel Operationen sowie Chemo-, Strahlen- und Immuntherapie.
Neben der medizinischen Therapie ist auch psychosoziale Unterstützung für Betroffene unter 18 Jahren und deren Familien ein zentraler Bestandteil der Behandlung.
Dank kontinuierlicher Optimierung der Therapieformen konnten die Überlebensraten in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert werden. Heute liegen beispielsweise die Heilungschancen von akuter myeloischer Leukämie (AML) bei rund 80 %.
Aktueller Stand der klinischen Forschung und Zukunft der pädiatrischen Onkologie
Die stetig verbesserten Heilungschancen sind das Ergebnis neuer Therapieansätze und Medikamente. Multizentrische Therapiestudien ermöglichen eine bessere Versorgung und eröffnen betroffenen Kindern und Jugendlichen Zugang zu neuesten Behandlungsmethoden.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind personalisierte Therapien, die Tumorzellen gezielt angreifen, sowie immunonkologische Verfahren, die das Immunsystem aktivieren. Ebenso wichtig ist die weitere Entwicklung nebenwirkungsarmer Behandlungen, um Spätfolgen wie Wachstumsstörungen oder Fruchtbarkeitsprobleme zu verhindern.
Weitere Informationen zu klinischen Studien bei Kindern und Jugendlichen finden Sie hier.

FA-11458472, 05/2025
In der Krebsbehandlung gibt es viele Fortschritte, doch für viele Menschen stehen noch immer keine ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dies gilt insbesondere für aggressive oder seltene Krebsarten. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit für manche Betroffene ist die Radioligandentherapie.
Was ist ein Radioligand?
Der Begriff „Radioligand“ setzt sich aus dem lateinischen Wort „radio“ für Strahl und dem Wort „ligare“ für binden zusammen. Man könnte einen Radioliganden daher auch als bindende Strahlung bezeichnen.
Doch wie genau ist so ein Radioligand aufgebaut und warum strahlt dieser? Um das zu erklären, müssen wir zuerst die Bestandteile eines solchen Radioliganden beleuchten. Ein Radioligand besteht aus zwei Teilen, einem Radionuklid und einem Liganden, d.h. einer Substanz, die an ganz bestimmte Bestandteile auf der Oberfläche der Zellen binden kann.
Radionuklid
Ein Radionuklid ist ein instabiles Atom. Das bedeutet, dass es sich im Laufe der Zeit verändert und dabei Energie in Form von Strahlung abgibt. Diese radioaktive Strahlung kann man sich wie winzige, unsichtbare Teilchen vorstellen, die vom Atom ausgesendet werden. Dieser Prozess wird auch als radioaktiver Zerfallsprozess bezeichnet.
Man kann es sich wie einen Turm aus Bauklötzen vorstellen. Ein Radionuklid ist wie ein Turm, der nicht ganz stabil ist und irgendwann zusammenfällt. Wenn der Turm zusammenfällt, fliegen die Bauklötze in alle Richtungen – so wie die Strahlung beim Zerfall des Radionuklids
Diese radioaktive Strahlung kann verschiedene Formen haben:
- Alphastrahlung: Diese Strahlung besteht aus größeren Teilchen, die nur kurze Strecken zurücklegen und leicht von Papier oder Haut gestoppt werden können.
- Betastrahlung: Diese Strahlung besteht aus kleineren Teilchen, die weiter fliegen und etwas stärker sind als Alphastrahlung. Sie können durch Papier hindurch, aber werden durch dickere Materialien wie Metall gestoppt.
- Gammastrahlung: Das ist eine sehr starke und durchdringende Strahlung, die durch viele Materialien hindurchgeht und nicht gestoppt wird. Nur sehr dicke oder schwere Materialien wie Blei blockieren diese Strahlung.
Radionuklide kommen in der Natur vor, können aber auch künstlich hergestellt werden.
Ligand
Ein Ligand ist wie ein Schlüssel, der in ein bestimmtes Schloss passt. In der Biologie ist dieses “Schloss” oft eine bestimmte Struktur auf der Oberfläche einer Zelle. Wenn der Schlüssel ins Schloss gesteckt wird, kann die Tür geöffnet werden, d.h. wenn der Ligand an die Struktur auf der Zelle bindet, kann das eine Reaktion in der Zelle auslösen, ähnlich wie das Öffnen einer Tür. Die Reaktion der Zelle unterscheidet sich je nachdem welcher Ligand an welche Zellstruktur bindet. Es können z.B. die Ausschüttung von bestimmten Stoffen aus der Zelle, aber auch Vorgänge wie der Tod der Zelle ausgelöst werden.

Radioligand
Ein Radioligand ist das Ergebnis einer Verbindung von einem radioaktiven Radionuklid zusammen mit einem Liganden.
Radioliganden werden in der Wissenschaft und in der Medizin benutzt. Sie kommen z.B. bei bestimmten Untersuchungen in den Klinikabteilungen Radiologie und Nuklearmedizin zum Einsatz. Bei bildgebenden Verfahren wie z.B. der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) werden visuelle Darstellungen von Körperstrukturen und -funktionen angefertigt. Radioliganden helfen hierbei die jeweiligen Ziele im Körper darzustellen. Der Ligand bindet an das Ziel (z.B. eine Tumorzelle) und das Radionuklid sendet Strahlung aus, die vom Scanner des PET-Gerätes erkannt wird. So entsteht ein präzises Bild der betroffenen Region.
Wie werden Radioliganden bei der Behandlung von Erkrankungen eingesetzt?
Radioliganden werden zum einen in der Diagnostik von bestimmten Erkrankungen eingesetzt. Bei Krebserkrankungen können sie bei bildgebenden Verfahren helfen, den Tumor und mögliche Verbreitungen des Tumors im Körper (sog. Metastasen) sichtbar zu machen.
Zum anderen gibt es einen Ansatz Radioliganden direkt zur Behandlung von Krebserkrankungen einzusetzen. Diese Art von Behandlung nennt man Radioligandentherapie.
Radioligandentherapie
Wirkweise
Was ist das Prinzip der Radioligandentherapie?
Die Radioligandentherapie ist eine moderne Form der Krebstherapie, bei der die radioaktive Strahlung der winzigen Radioliganden gezielt eingesetzt wird, um Krebszellen im Körper zu zerstören.
Sobald der Radioligand in den Körper gelangt, bindet er gezielt an Zellen auf deren Oberfläche vermehrt bestimmte Merkmale zu finden sind. Bei der Krebstherapie sind das in der Regel Krebs- bzw. Tumorzellen. Der radioaktive Bestandteil des Radioliganden gibt dabei seine Strahlung zielgerichtet an die Krebszelle (und in geringem Maße an die umgebenden Zellen) ab. Die Krebszelle wird so nun der radioaktiven Strahlung ausgesetzt. Diese wirkt direkt auf die Krebszelle und zerstört sie von innen heraus. Das umliegende gesunde Gewebe bleibt weitgehend unberührt.
Wie töten Radioliganden Zellen ab?
Nachdem der Radioligand an die Krebszelle gebunden hat, bleibt er entweder an der Zelloberfläche oder wird von der Zelle aufgenommen. Der radioaktive Bestandteil des Radioliganden gibt radioaktive Strahlung ab. Diese Strahlung ist meist eine sogenannte Betastrahlung, die nur eine sehr kurze Reichweite hat. Dadurch wirkt sie hauptsächlich auf die betroffene Zelle. Die Strahlung schädigt das Erbgut (DNA) der Krebszelle. Das hat zur Folge, dass sich die Zelle nicht mehr teilen kann und abstirbt. Dieser Prozess wird als „zelluläre Apoptose“ oder „programmierter Zelltod“ bezeichnet. Da die Strahlung nur in unmittelbarer Nähe wirkt, wird das umliegende gesunde Gewebe kaum beeinträchtigt.

Ablauf
Vor Beginn der Behandlung mit Radioliganden
Bevor die Radioligandentherapie beginnt, wird sorgfältig geprüft, ob sie für die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten geeignet ist. Dabei geht es vor allem um zwei Fragen:
Kann die Therapie wirken?
Dafür wird untersucht, ob die Krebszellen im Körper bestimmte „Andockstellen“, d.h. Strukturen auf ihrer Oberfläche haben, an die der Radioligand binden kann. Um das festzustellen, wird meist eine spezielle Bildgebung durchgeführt – zum Beispiel eine PET/CT-Untersuchung mit einem schwach radioaktiven Stoff. Nur wenn diese Strukturen vorhanden sind, kann die Therapie gezielt wirken.
Lässt der Allgemeinzustand des Patienten / der Patientin die Therapie zu?
Es wird ein umfassender Gesundheitscheck gemacht. Blutuntersuchungen geben Aufschluss über die Funktion von Leber und Nieren (wichtig für die Verarbeitung und Ausscheidung des Wirkstoffs) sowie über das Blutbild (z. B. Anzahl der weißen und roten Blutkörperchen).
Nach Auswertung und Besprechung der Ergebnisse folgt ein ausführliches Aufklärungsgespräch. Dabei wird erklärt, wie die Therapie abläuft, welche Nebenwirkungen möglich sind und worauf man achten sollte. Erst danach wird eine schriftliche Einwilligung zur Behandlung gegeben. Wenn alles passt, wird anschließend ein individueller Behandlungsplan erstellt mit Startdatum und Anzahl der geplanten Sitzungen.
Behandlung
Da es sich bei der Radioligandentherapie um eine Behandlung mit radioaktiven Stoffen handelt, wird diese in einer spezialisierten Klinikabteilung durchgeführt, der Nuklearmedizin.
Der Radioligand wird über eine Infusion in die Vene verabreicht. Die Infusion dauert meist nur wenige Minuten bis etwa eine halbe Stunde. Nach der Verabreichung verteilt sich der Radioligand über das Blut im Körper. Nach der Infusion bleibt die Patientin oder der Patient mindestens zwei Tage zur Beobachtung in der Klinik. Dabei wird geprüft, ob Nebenwirkungen auftreten und wie der Körper auf die Behandlung reagiert.
Die Radioligandentherapie wird in der Regel öfters gegeben, d.h. in mehreren Zyklen durchgeführt. Zwischen den Gaben liegen Pausen von mehreren Wochen. Die genaue Anzahl der Gaben und der Abstand der Behandlungen hängen vom individuellen Krankheitsverlauf und der jeweiligen Therapie ab.
Um zu überprüfen, ob und wie gut die Radioligandentherapie wirkt, können in regelmäßigen Abständen bildgebende Untersuchungen durchgeführt (z.B. PET/CT, SPECT) werden. Mit diesen kann man sehen, ob der Radioligand die Krebszellen erreicht und wie sich der Tumor verändert hat.
Nach der Behandlung – was ist zu beachten?
Nach der Gabe von Radioliganden müssen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, weil der Körper des Patienten bzw. der Patientin für kurze Zeit radioaktive Substanz ausscheidet. Diese Strahlung kann andere Menschen gefährden – vor allem Kinder, Schwangere oder Personen, die engen körperlichen Kontakt haben. Für einige Tage nach der Therapie sollten folgende Hygiene- und Verhaltensregeln beachtet werden:
- tägliches Duschen
- getrenntes Waschen von Kleidung und Bettwäsche
- sorgfältige Toilettenhygiene
- Vermeiden von engem Kontakt
- Ausreichend Trinken, um die radioaktive Substanz schneller auszuscheiden

Radioligandentherapie: Risiken und mögliche Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Wie bei jeder medizinischen Behandlung kann es auch bei der Radioligandentherapie zu Nebenwirkungen kommen. Diese entstehen, wenn die Strahlung nicht nur Krebszellen, sondern auch umliegendes gesundes Gewebe beeinflusst. Die Art und Stärke der Nebenwirkungen hängen unter anderem davon ab, in welchem Organ sich der Tumor befindet bzw. welche Art von Krebs behandelt wird, wie hoch die Strahlendosis ist und wie der allgemeine Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten ist.
Häufige Nebenwirkungen sind:
- Müdigkeit
- Übelkeit und Erbrechen (besonders bei Behandlungen im Bauchraum)
- Hautveränderungen: Rötung, Trockenheit oder Reizung an der Einstichstelle oder im Bereich der Strahlung.
- Haarausfall
- Veränderungen im Blutbild (z. B. Abnahme der weißen Blutkörperchen, was zu erhöhtem Infektionsrisiko führen kann).
Es können auch Nebenwirkungen auftreten, die die Funktion bestimmter Organe beeinflussen:
- Magen-Darm-Trakt: Durchfall, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit
- Blase und Harnwege: Häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen
- Geschlechtsorgane: Vorübergehende oder dauerhafte Fruchtbarkeitsstörungen
- Knochenmark: Bei wiederholter Behandlung kann es zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung kommen
Spätfolgen der Behandlung sind selten, aber möglich. Dazu zählen hormonelle Veränderungen, Organschäden oder das Entstehen neuer Tumore (sekundäre Tumore). Diese Spätfolgen hängen stark von der behandelten Körperregion und individuellen Faktoren ab. Der Großteil dieser Nebenwirkungen tritt meist nur vorrübergehend auf und hören nach Beendigung der Radioligandentherapie wieder auf.
FA-11477797, 08/2025
CAR-T-Zell Therapie – das ist erst einmal ein Begriff, mit dem man nicht viel anfangen kann. CAR – hat das was mit Autos zu tun? Was sind denn T-Zellen und warum werden sie für diese Therapie eingesetzt?
Hinter der CAR-T-Zell-Therapie verbirgt sich eine Form der Immuntherapie, doch was ist Immuntherapie nun schon wieder.

Was ist eine Immuntherapie?
Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk aus Zellen, Geweben und Organen, die Hand in Hand zusammenarbeiten, um unseren Körper vor Erregern und geschädigten Zellen zu befreien. Es fungiert als eine Art von Polizei und sorgt eigenständig für Schutz und Ordnung.
Die Immuntherapie ist ein Oberbegriff für verschiedene Therapien, bei denen das körpereigene Immunsystem eingesetzt wird, um eine Erkrankung zu behandeln. Dabei können auch Bestandteile des Immunsystems, wie z.B. Zellen verwendet werden, um gezielt eine spezielle Krankheit wie z.B. Blutkrebs zu behandeln.
Warum eignen sich T-Zellen als Waffe in der Immuntherapie?
T-Zellen sind ein Teil der Zellen im Blut und gehören zu den weißen Blutkörperchen. Sie nehmen eine wichtige Rolle im Immunsystem wahr, denn sie sind auf die Erkennung von speziellen Molekülen von Krankheitserregern spezialisiert. Erkennt eine T-Zelle, dass z.B. eine Körperzelle infiziert ist, so kann sie diese Zelle direkt vernichten.
Diese Eigenschaft der T-Zelle nutzt man bei der Immuntherapie. Der Trick hierbei ist, dass man die T-Zelle so umprogrammiert, dass sie nun Moleküle von körpereigenen Zellen erkennt, die durch eine Fehlfunktion eine Erkrankung wie z.B. Blutkrebs auslösen. So können die umprogrammierten T-Zellen die falsch-funktionierenden Zellen ausschalten.

Was sind CAR-T-Zellen?
Das CAR vor diesen speziellen T-Zellen steht für chimärer Antigenrezeptor. Nun ist die Abkürzung klar, aber nicht genau, was das denn ist.
Der Organismus ist ein verzweigtes und komplexes Netzwerk, dessen Bestandteile gezielt miteinander kommunizieren müssen, um richtig zu funktionieren und auf verschiedene Bedingungen reagieren zu können. Dazu brauchen sie Rezeptoren, die ähnlich wie Sinnesorgane Informationen von außen aufnehmen können. Rezeptoren können nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip bestimmte Signalmoleküle erkennen. Das bedeutet, wenn ein spezielles Signalmolekül an einen bestimmten Rezeptor bindet, wird durch eine Signaleinheit am Rezeptor eine gezielte Reaktion in der Zelle ausgelöst.
Ein solches Signal in der Zelle kann auch durch die Bindung eines Rezeptors an ein Antigen erfolgen. Ein Antigen, auch wenn der Name in die Irre führen könnte, hat nichts mit einem Gen zu tun. Ein Antigen ist die Bezeichnung für einen Stoff, auf den das Immunsystem reagiert. Das kann ein Teil eines Bakteriums sein, aber auch Bestandteile schädlicher Zellen, wie z.B. Krebszellen.
Antigen-Rezeptoren kommen auf den Zellen unseres Immunsystems vor. Sie können durch das Erkennen von Antigenen eine Immunantwort auslösen.
Eine Chimäre ist vielleicht besser als mythologisches Wesen bekannt, dass sich aus verschiedenen Tieren zusammensetzt, wie z.B. der Greif, einer Mischung aus Löwe und Adler. Bei dem chimären Antigenrezeptor (CAR) bedeutet das, dass der Rezeptor aus Teilen zusammengesetzt ist, die normalerweise so nicht zusammen auf T-Zellen zu finden sind.
Der CAR wird künstlich hergestellt und besteht aus drei Bausteinen:
- ein Anker, der den Rezeptor in der Oberfläche der Zelle sichert,
- ein Detektor auf der Außenseite der Zelle, der exakt Moleküle auf der Zielzelle erkennen kann
- eine Signaleinheit auf der Innenseite der T-Zelle, die Anweisungen an die Zelle weitergibt, was nach Erkennen der Zielzelle zu geschehen hat. In diesem Fall die Zerstörung der schädlichen Zielzelle.
Wie kommt der CAR in die T-Zellen?
Das Erbgut, also unsere DNA, enthält sehr viele Anleitungen und Baupläne in Form von Genen für die verschiedensten Proteine und Strukturen in unserem Organismus. Diese Gene werden in den Zellen ausgelesen und das jeweilige Produkt wird produziert. Das Gen für den CAR ist nicht im Erbgut enthalten, sondern wird künstlich hergestellt, in die T-Zellen eingeschleust, die zuvor den Patient*innen entnommen wurden, und dort in die DNA eingebaut. Hierfür nutzt man eine schlaue Eigenschaft einiger Viren. Diese vermehren sich, indem sie ihr eigenes Erbgut in das Erbgut der Wirtszelle, in die sie eindringen, integrieren. Um CAR-T-Zellen herzustellen, wird das Gen für den CAR in das Erbgut eines vorbereiteten Virus eingebaut. Das Virus wurde zuvor so verändert, dass es nicht mehr schädlich ist und keine Krankheit auslösen kann. Dieses Virus, dass nun den Bauplan für den CAR in das Erbgut der T-Zellen schleust, nennt man einen viralen Vektor. Nach dem Einbau der DNA werden die T-Zellen als CAR-T-Zellen bezeichnet. Die entstandene CAR-T-Zelle ist jetzt in der Lage den chimären Antigenrezeptor selbst zu produzieren und diesen auf ihrer Oberfläche zu präsentieren.
Die CAR-T-Zellen werden anschließend noch im Labor vermehrt, damit sie in ausreichender Anzahl für die Therapie eingesetzt werden können.

CAR-T-Zell Therapie für die Behandlung von Blutkrebs
Die CAR-T-Zell Therapie ist bereits für die Behandlung von bestimmten Krebsarten, wie z.B. Blutkrebs (Leukämie) und Tumoren, die aus einer bestimmten Zellart entstanden sind (B-Zellen), zugelassen. Die CAR-T-Zell Therapie hat sich als mögliche Behandlungsoption für Blutkrebs erwiesen, insbesondere für Patienten, bei denen andere Therapien nicht erfolgreich waren. Die CAR-T-Zellen erkennen ein bestimmtes Oberflächenmolekül auf den Tumorzellen und verursachen deren gezielte Zerstörung. Nach der Verabreichung bleiben die modifizierten CAR-T-Zellen in der Regel im Körper des Patienten/der Patientin vorhanden und können Krebszellen auch langfristig bekämpfen. Dadurch kann das Risiko eines erneuten Auftretens des jeweiligen Krebses verringert werden.
Neuer Ansatz: CAR-T-Zell-Therapie für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen
Die CAR-T-Zell-Therapie hat aufgrund ihrer Funktionsweise auch das Potential eine neue Behandlungsoption für bestimmte Autoimmunerkrankungen zu werden. Derzeit wird dies in diversen klinischen Studien geprüft.

Was ist eine Autoimmunerkrankung?
Eine Autoimmunerkrankung entsteht, wenn das eigene Immunsystem Bestandteile des Körpers als Gefahr erkennt. Es fängt an bestimmte körpereigene Strukturen zu bekämpfen und kann dadurch großen Schaden im Körper anrichten. Ein Beispiel hierfür ist die rheumatoide Arthritis (auch nur Rheuma oder Arthritis genannt). Hierbei greift das Immunsystem Bestandteile der Gelenke an und es kommt zu chronischen Entzündungen in diesen Gelenken.
Wie kann die CAR-T-Zell-Therapie bei Autoimmunerkrankungen helfen?
Um das zu verstehen, muss man sich zuerst mit einem der Übeltäter bei vielen Autoimmunerkrankungen beschäftigen – den B-Zellen.
B-Zellen gehören wie die T-Zellen zu den weißen Blutkörperchen und sind ein sehr wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist die Produktion von Antikörpern.
Antikörper erkennen und binden Strukturen, die sich auf der Oberfläche von Krankheitserregern befinden. Dabei binden nicht alle Antikörper jede Struktur, sondern verschiedene B-Zellen produzieren jeweils Antikörper, die bestimmte Moleküle nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip erkennen. Die Antikörper auf der Oberfläche eines Krankheitserregers funktionieren wie ein Leuchtsignal, dass das restliche Immunsystem auf die Erreger aufmerksam macht und diese dann zerstört.
B-Zellen und Antikörper klingen großartig, aber leider sind sie nicht unfehlbar. Es können sich sogenannte autoreaktive B-Zellen entwickeln. Diese heißen so, da sie Antikörper produzieren, die gegen körpereigene, gesunde Stoffe gerichtet sind. Diese Antikörper markieren dann z.B. bestimmte Zellen im eigenen Gewebe als Gefahr, die dann durch das Immunsystem attackiert werden. Es kommt zu chronischen Entzündungen und das Gewebe und ganze Organe nehmen Schaden. Auf diese Weise entstehen viele Autoimmunerkrankungen.
Die Funktionsweise der CAR-T-Zell-Therapie hat das Potential, dass autoreaktive B-Zellen zielgenau vernichtet werden, die dann keine Antiköper gegen körpereigene Strukturen mehr herstellen können. Die Schädigung von gesunden Zellen und Gewebe könnte so verhindert werden.
Patientenreise – CAR-T-Zell-Therapie
Bereits über 500 Studien zur CAR-T-Zelltherapie wurden weltweit durchgeführt. In der Forschung wird die CAR-T-Zell-Therapie für die Behandlung von immer weiteren Erkrankungen untersucht. 2017 wurde die erste CAR-T-Zelltherapie nach sorgfältiger Prüfung durch die Behörden in den USA für bestimmte onkologische Erkrankungen zugelassen, 2018 dann auch in Europa. Seitdem können Kinder, Jugendliche und Erwachsene in verschiedenen Indikationen behandelt werden. Insgesamt sind derzeit (Stand Oktober 2024) 9 CAR-T-Zell-Medikamente zur Behandlung zugelassen.

Wie wird festgestellt, ob die CAR-T-Zell-Therapie angewendet werden kann?
Bei klinischen Studien wird vorab festgelegt welche Kriterien eine Person erfüllen muss, damit diese in die jeweilige Studie aufgenommen werden kann. Es werden das genaue Krankheitsbild und damit verbundene Symptome beschrieben, dessen Behandlung im Rahmen der Studie getestet werden soll.
Das behandelnde ärztliche Personal in der Klinik weiß über die Kriterien Bescheid und kann nach den Voruntersuchungen, dem sog. Screening-Prozess, feststellen, ob man in eine Studie aufgenommen werden kann.
Bei der Eignung zur CAR-T-Zell Therapie wird ein/e Patient*in von dem medizinischen Fachpersonal immer individuell betrachtet, d.h. es wird im Einzelfall entschieden, ob diese Form der Therapie für den jeweiligen Patienten/die Patientin sinnvoll ist und angewendet werden kann. Die zu therapierende Erkrankung muss mit einer speziellen Art von Zelle zusammenhängen (der B-Zelle, auch B-Lymphozyt genannt). Wichtig ist, dass man trotz Erkrankung in einem guten Allgemeinzustand sein sollte und keine aktive Infektion vorliegt. Grundsätzlich sollte keine Vorschädigung der inneren Organe, wie z.B. dem Herzen, der Leber oder der Nieren, vorliegen. Es sollten auch genug T-Zellen im Blut enthalten sein, damit aus diesen CAR-T-Zellen hergestellt werden können.
Wie werden die Zellen für die Herstellung der CAR-T-Zellen gewonnen?
Das Spannende an der CAR-T-Zell-Therapie ist, dass man die Basis für die eigene Behandlung selbst liefert. Die T-Zellen, also die Vorläufer der zukünftigen CAR-T-Zellen werden immer von der Person entnommen, die sie später in der Therapie wieder erhält. Um die T-Zellen aus dem Blut zu gewinnen, wendet man eine Methode an, die sich Apherese nennt. Mit der Apherese können bestimmte Bestandteile des Blutes vom restlichen Blut getrennt werden. Man verliert hierbei kein Blut, dieses wird aber aus dem Körper geleitet, gefiltert und fließt anschließend wieder zurück in den Körper.
Um eine Apherese durchzuführen, bekommt die Person zwei Zugänge in verschiedene Venen gelegt. Aus dem einen Zugang fließt das Blut in die Apheresemaschine. In dieser werden die gewünschten Blutkomponenten vom restlichen Blut getrennt, welches dann durch den zweiten Zugang wieder zurück in den Körper geleitet wird.
Für die CAR-T-Zell Therapie wird die sog. Leukapherese angewendet. Bei dieser werden die Leukozyten, d.h. die weißen Blutzellen (zu denen auch die T-Zellen gehören) aus dem Blut herausgefiltert.
Die Leukapherese dauert ca. 3-4 Stunden und man muss dafür nicht
Was passiert mit den gewonnenen Zellen?
Die bei der Apherese gewonnenen Zellen werden in ein Speziallabor geschickt. Dort werden die Zellen unter sicheren und sterilen Bedingungen von Fachpersonal weiterverarbeitet. Es müssen nun zuerst einmal die T-Zellen aus dem Gemisch der weißen Blutzellen herausgetrennt werden, denn nur aus diesen können CAR-T-Zellen entstehen. Die T-Zellen werden anschließen gentechnisch so verändert, dass sie zu CAR-T-Zellen werden (LINK: Wie entstehen CAR-T Zellen). Für die Therapie werden viele identische CAR-T-Zellen benötigt, daher muss die Anzahl der Zellen im Labor stark erhöht werden. Dazu werden die veränderten CAR-T-Zellen in ein Wachstumsmedium gegeben, das Botenstoffe enthält, die die Zellen dazu anregen sich zu teilen und sich so stark zu vermehren. Im Anschluss wird durch verschiedene Tests sichergestellt, dass die CAR-T-Zellen in einer guten Qualität vorliegen. Es wird unter anderem geprüft, ob der Anteil der lebenden CAR-T-Zellen hoch genug ist und dass keine Verunreinigungen im Zellgemisch vorliegen. Wenn die Qualität der Zellen zufriedenstellend ist und diese unbedenklich für die Therapie eingesetzt werden können, werden sie vorsichtig verpackt und an die Klinik zurückgeschickt, an welcher der/die Patient*in behandelt werden soll.
Diese Umprogrammierung, Vermehrung und Kontrolle der Zellen können bis zu 5 Wochen dauern.

Warum erhält man eine Chemotherapie, bevor die CAR-T-Zellen verabreicht werden?
Eine Chemotherapie wird meistens mit der Behandlung von Krebs in Verbindung gebracht. Es werden hierbei Stoffe eingesetzt, die zum Absterben von krankheitsverursachenden Zellen führen, indem sie die Teilung der Zellen stören.
Zur Vorbereitung der CAR-T-Zell Therapie wird auch eine Chemotherapie durchgeführt, aber es handelt sich hierbei nur um eine einmalige und milde Chemotherapie (zumeist über drei Tage). Diese Chemotherapie wird nicht zur Bekämpfung einer Erkrankung durchgeführt, sondern um den Körper für die CAR-T-Zellen bereit zu machen. Bevor die CAR-T-Zellen wieder der Person verabreicht werden können, von der die Zellen ursprünglich entnommen wurden, muss bei den meisten Menschen mit Hilfe der Chemotherapie die Menge der weißen Blutkörperchen reduziert werden. Es werden damit vor allem Lymphozyten (zu diesen gehören auch T-Zellen und B-Zellen) entfernt und somit wird das eigene Immunsystem gehemmt das die (zwar nicht ganz) fremden CAR-T-Zellen sonst angreifen könnte. Die CAR-T-Zellen haben so eine bessere Startbasis und können so vom Organismus leichter wieder angenommen werden. Diese einmalige und milde Chemotherapie nennt man Lymphodepletion (Depletion = Entfernung körpereigener Stoffe aus dem Körper; Lympho = Lymphozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen)). Für die Lymphodepletion werden die Patient*innen zumeist für ca. 3 Tage stationär in die behandelnde Klinik aufgenommen und gut überwacht. Sie wird wenige Tage vor der Gabe der CAR-T-Zellen durchgeführt.

Wie läuft die Gabe der CAR-T-Zellen ab und was passiert danach?
Um die CAR-T-Zellen, die aus den eigenen T-Zellen hergestellt wurden, wieder zu erhalten, wird man ein paar Tage nach der Chemotherapie (= der Lymphodepletion) in die behandelnde Klinik eingewiesen. Während der Gabe der Zellen wird man sehr eng von medizinischem Fachpersonal überwacht und betreut. Vor der Behandlung wird nochmals genau geprüft, ob man in einem geeigneten körperlichen Zustand ist, um die CAR-T-Zellen zu erhalten. Wenn z.B. ein starker Infekt vorliegt, muss die Gabe der Zellen möglicherweise etwas aufgeschoben werden.
Die CAR-T-Zellen werden über eine Infusion, die nur ca. 10-30 min dauert, verabreicht. Nach der Infusion bleibt man zur Beobachtung und zur Kontrolle für ca. 2 Wochen in der Klinik. In dieser Zeit wird man sehr engmaschig betreut. Es werden regelmäßig verschiedene körperliche Untersuchungen durchgeführt, das Blutbild kontrolliert und diverse Laborwerte betrachtet.
Nachdem man aus der Klinik entlassen wurde, muss man dort aber noch regelmäßig zu Kontrollterminen erscheinen. Am Anfang finden diese noch häufiger statt, aber mit der Zeit werden die Abstände zwischen den Besuchen immer größer.
Da es sich bei der CAR-T-Zell Therapie um eine Gentherapie handelt, ist es notwendig, dass die Personen, die eine CAR-T-Zell-Infusion erhalten haben, regelmäßig nach Infusion kontrolliert werden.
Wie stellt man fest, ob die Verabreichung der CAR-T-Zellen wirkt?
Um festzustellen, ob die CAR-T-Zell-Therapie erfolgreich war, schaut das medizinische Fachpersonal auf verschiedene zentrale Indikatoren, die in der jeweiligen Erkrankung, die therapiert werden soll, sehr wichtig sind.
Bei Krebserkrankungen wird die Reduzierung der Krebszellen und der Tumore durch verschiedene Bluttests, Biopsien und Bildgebungsverfahren beobachtet.
Bei Autoimmunerkrankungen werden die Erkrankungsparameter und Symptome der jeweiligen Erkrankung nachverfolgt. Durch die Bestimmung verschiedener klinischer Faktoren und Laborparameter wird die Aktivität der Erkrankung vor und über einen langen Zeitraum nach CAR-T-Zell-Infusion überprüft. Das bedeutet, es werden Bluttests durchgeführt (z.B. ob noch bestimmte Antikörper gebildet werden), die Funktionsweise verschiedener Organe wird geprüft (z.B. die Filterfunktion der Niere) und es können je nach Erkrankung weitere Untersuchungen stattfinden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?
So gut wie jede Therapie kann Nebenwirkungen auslösen, so auch die CAR-T-Zell Therapie. Da man aber für diese Therapie in die Klinik aufgenommen und auch danach noch engmaschig betreut wird, kann das medizinische Fachpersonal hier sehr schnell eingreifen.
Vorkommen können u.a.:
Zytokin-Freisetzungssyndrom
Zytokine sind Botenstoffe, die Signale zwischen Zellen übertragen. Bei dieser Nebenwirkung kommt es zu einer massiven Freisetzung von Zytokinen, die eine starke Entzündungsreaktion im Körper auslösen. Es tritt meist innerhalb von wenigen Tagen nach der Infusion der CAR-T-Zellen auf. Frühe Symptome können u.a. Fieber, erhöhter Herzschlag, Übelkeit/Erbrechen oder geringer Blutdruck sein.
Behandlung: zum einen werden die Symptome behandelt (Mittel gegen Fieber, Übelkeit, kreislaufstabilisierende Medikamente, etc.) und zum anderen kann ein hochwirksames Medikament gegen die Entzündungsreaktion gegeben werden.
Neurologische Nebenwirkungen
Bei der CAR-T-Zell Therapie können auch Störungen des Nervensystems auftreten. Diese treten auch meist (aber nicht zwingend ausschließlich) innerhalb von wenigen Tagen nach der Infusion der CAR-T-Zellen auf und oft geht das Zytokin-Freisetzungssyndrom voraus. Es machen sich u.a. Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit, Sprachprobleme und Schlafstörungen bemerkbar. Meist sind die Nebenwirkungen eher leicht ausgeprägt und können gut behandelt werden, können aber auch schwer und lebensbedrohlich sein. Aus diesem Grund erfolgen hier zumeist weitere Untersuchungen zur Abklärung des Ausmaßes (z.B. ein MRT oder CT des Gehirns).
Hämatologische (das Blut betreffende) Nebenwirkungen
Es können verschiedene unerwünschte Auswirkungen auf das Blut durch die CAR-T-Zell Therapie verursacht werden. Die Menge der Zellen im Blut kann reduziert werden. Das kann schon durch die vorhergehende Chemotherapie ausgelöst werden und auch durch die CAR-T-Zellen. Da hierdurch die Anzahl wichtiger Zellen des Immunsystems, die als Abwehr gegen Erreger fungieren, erniedrigt sein kann, steigt das Risiko an Infektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen zu erkranken. Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen und Blutplättchen kann erniedrigt sein. Falls notwendig, kann dies durch eine Bluttransfusion behoben werden.
Dadurch, dass die CAR-T-Zellen ein Oberflächenmolekül erkennen, das auf B-Zellen vorkommt, können auch „gesunde“ B-Zellen vernichtet werden. B-Zellen sind die Fabriken im Körper, die Antikörper produzieren, die eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Erregern spielen. Durch deren Zerstörung wird die Menge der Antikörper im Organismus stark verringert, wodurch wiederum das Infektionsrisiko steigt.
Onkologische Nebenwirkungen (Sekundäre Malignome)
Des Weiteren wurde in manchen Fällen das Auftreten von sog. sekundären Malignomen innerhalb von 4 Wochen bis zu mehreren Jahren nach einer Behandlung mit CAR-T-Zellen beobachtet. Bei sekundären Malignomen handelt es sich um neu auftretende Krebserkrankungen, die durch die ursprüngliche Krebsbehandlung verursacht werden können. Daher wird empfohlen, Patient*innen lebenslang auf sekundäre Malignome zu überwachen.
Trotz dieser möglichen Risiken wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei schweren Grunderkrankungen weiterhin als positiv angesehen. Die Behandlung wird nur in spezialisierten Kliniken durchgeführt, die für die Anwendung der CAR-T-Behandlung zertifiziert sind. In Deutschland sind das inzwischen mehr als 30 Kliniken. CAR-T ist eine personalisierte Therapie. Jede Infusion wird individuell für den Patienten/die Patientin hergestellt, indem dessen/deren eigene T-Zellen entnommen und genetisch modifiziert werden. Langzeitstudien haben gezeigt, dass die modifizierten T-Zellen (= CAR-T-Zellen) jahrelang im Körper verbleiben und Krebszellen bekämpfen können. Die Forschung arbeitet kontinuierlich daran, die Sicherheit zu verbessern.
CAR-T-Zelltherapie: Schritt für Schritt
Chimäre Antigenrezeptoren – kurz CARs – sind gentechnisch hergestellte T-Zell-Rezeptoren, die die Grundlage der CAR-T-Zelltherapie darstellen. Bei der personalisierten CAR-T-Zelltherapie wird das Immunsystem der Patientin / des Patienten zur Bekämpfung bestimmter Krebsarten verwendet. Dafür werden der Patientin / dem Patienten T-Zellen entnommen, um diese außerhalb des Körpers umzuprogrammieren. Die dadurch gewonnenen CAR-T-Zellen können die Strukturen auf der Oberfläche von körpereigenen und den davon abstammenden Krebszellen erkennen und bekämpfen.

Leukapherese
Die Leukapherese ist das Verfahren zur Entnahme bestimmter weißer Blutkörperchen, unter anderem der sogenannten T-Zellen. Hierbei handelt es sich um eine Art der Blutwäsche. Der Patientin / Dem Patient wird ein Zugang in die Vene gelegt, um damit das Blut in eine spezielle Maschine zu leiten. Die Maschine trennt die weißen Blutkörperchen vom Rest des Blutes, der wieder in den Körper der Patientin / des Patienten zurückgeleitet wird. Die entnommenen Zellen werden anschließend eingefroren und in ein Speziallabor geschickt.

Umprogrammierung
Im Speziallabor werden die T-Zellen so umprogrammiert, dass sie die gewünschten Zielzellen erkennen können. Hierfür wird ein sogenannter Vektor verwendet. Mit diesem wird künstlich hergestellte Erbinformation eines speziellen Gens in die Erbinformation der T-Zellen eingeschleust. Danach sind diese T-Zellen in der Lage ein Eiweiß zu produzieren. Dieses Eiweiß präsentieren die T-Zellen dann auf der Oberfläche, wodurch die Zielzellen erkannt werden können. Ab diesem Schritt handelt es sich um die sogenannten CAR-T-Zellen.

Vermehrung
Die Vermehrung der umprogrammierten Zellen heißt Expansion. Hierbei handelt es sich um eine Zellteilung der umprogrammierten Zellen, wodurch die Anzahl der CAR-T-Zellen erhöht wird. Um dies zu erreichen, kommen die Zellen in ein Nährmedium in einem Inkubator, um Botenstoffe zu erhalten. Das regt die Zellen dazu an sich zu teilen. Durch diesen Schritt entstehen sehr viele identische Zellen.

Qualitätskontrolle
Die vermehrten CAR-T-Zellen werden anschließend ausführlich auf ihre Qualität geprüft. Hierbei ist Folgendes entscheidend: Die Zellen müssen ausreichend vorhanden sein, zum Großteil leben und das gewünschte Protein auf der Oberfläche besitzen. Außerdem ist ein hoher Säuregehalt des Mediums, in dem sich die Zellen befinden, wichtig. In diesem Schritt wird zudem sichergestellt, dass der Herstellungsprozess erfolgreich verlaufen ist.

Lymphodepletierende Chemotherapie
Bevor die CAR-T-Zellen wieder der ursprünglichen Patientin / dem Patienten verabreicht werden können, erfolgt – in den meisten Fällen – ein weiterer Schritt. Bei vielen Menschen muss mithilfe einer einmaligen und milden Chemotherapie die Menge der weißen Blutkörperchen reduziert werden. Somit haben die CAR-T-Zellen eine bessere Startbasis und können vom Organismus leichter angenommen werden.

Infusion
Die CAR-T Zellen werden per Infusion wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Zur Sicherheit wird die Patientin / der Patient während der Infusion beobachtet und überwacht. So kann schnell eingegriffen werden, falls unerwünschte Reaktionen auftreten.

Vernichtung der Zielzellen
Nun können die CAR-T-Zellen im Blutkreislauf die Zielzellen erkennen, an sie andocken und sie anschließend zerstören.
FA-11290158, 11/2024
CAR-T-Zelltherapie: Erfahrungen aus der Praxis
In diesem Video erklären Prof. Dr. Robert Hoepner und Univ.-Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke was eine CAR‑T‑Zell‑Therapie ist, für welche Patient*innen sie infrage kommt und welche Risiken dabei bestehen. Sie beschreiben den komplexen Ablauf der Behandlung – von der Blutentnahme über die Herstellung der CAR‑T‑Zellen bis hin zur Reinfusion und der engmaschigen Überwachung. Außerdem erklären sie, was Patient*innen während der Therapie erwartet und ob anschließend weitere Medikamente notwendig sind.

Erfahrungsbericht einer NSCLC-Patientin
„Mein Name ist Cindy Griffin* und ich lebe in den USA. Ich habe Lungenkrebs, genauer gesagt ein nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom, auch NSCLC genannt. Durch eine Biomarker-Untersuchung erfuhr ich, dass meine Krebserkrankung eine Mutation im BRAF-Gen aufweist, auch bekannt als BRAF+ NSCLC. Mit meiner Geschichte möchte ich anderen Menschen helfen, ihre Lungenkrebserkrankung besser zu verstehen und zu bewältigen.
Wenn Sie bei sich erkältungsähnliche Symptome feststellen, dann denken sie vielleicht – genau wie ich damals – dass diese schnell vorübergehen. Ich war Anfang 50, als aus meiner vermeintlichen Erkältung ein chronischer Husten wurde. Meine Symptome — Kurzatmigkeit, starke Müdigkeit, Erschöpfung und Husten — wurden zunächst fälschlicherweise als Lungenentzündung (Pneumonie) diagnostiziert. In den folgenden Monaten suchte ich einen Lungenfacharzt auf und ließ verschiedene Tests und Untersuchungen durchführen. Dazu gehörten ein Röntgenbild meiner Lunge, eine Computertomographie (CT), eine Bronchoskopie und eine Gewebeprobe meiner Lunge, also eine chirurgische Biopsie. Meine Familie und ich waren zuversichtlich, dass ich bald wieder gesund werden würde. An Krebs dachten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Doch das änderte sich schnell.
Diagnose NSCLC (Lungenkrebs)
Ich werde nie vergessen, wie ich nach der chirurgischen Biopsie aufgewacht bin und in das angespannte Gesicht meines Mannes blickte. Er sagte mir, dass ich Lungenkrebs hätte. Meine Testergebnisse zeigten Krebs in der Lungenschleimhaut.
Ich erhielt viele Informationen über Chemotherapie, Bestrahlungen und verschiedene Statistiken zu der Erkrankung. Mein Bruder hatte sich schon mit Krebsforschung beschäftigt und sprach unseren Arzt auf eine Biomarker-Untersuchung an. Er holte auch eine Zweitmeinung ein. Ich hatte das Glück, viel Unterstützung von meiner Familie zu bekommen: Mein Mann, meine Söhne und mein Bruder waren für mich da und führten Gespräche für mich, wenn ich zu schwach war und nicht die Kraft hatte, für mich selbst einzustehen. Der Arzt, der meinen Lungenkrebs diagnostiziert hatte, empfahl uns, keine weiteren Untersuchungen durchführen zu lassen. Aber wir entschieden uns, eine Zweitmeinung eines anderen Onkologen an einem Universitätsklinikum einzuholen, das ein paar Stunden entfernt von meinem Wohnort war.

Biomarker-Untersuchung noch kein Standard
Bei diesem nächsten Schritt auf meinem Weg lernte ich viele neue Fachausdrücke kennen und wurde mit den neuesten Erkenntnissen der Lungenkrebsforschung vertraut gemacht. Mein Onkologe erklärte mir, dass eine Vielzahl von Faktoren Lungenkrebs verursachen können, und forderte sofort eine Biomarker-Untersuchung für mich an. Er und sein Laborteam entnahmen Proben, die in den darauf folgenden Wochen untersucht wurden.
Dadurch erfuhr ich, dass es viele verschiedene Lungenkrebstypen gibt. Ich würde jedem Patienten, bei dem gerade Lungenkrebs diagnostiziert wurde, raten, seine Ärzte nach Biomarker-Untersuchungen zu fragen. Mein Onkologe, der mir die Biomarker-Untersuchung empfohlen hat, behandelt mich auch heute noch. Heute bin ich zwar nicht geheilt, aber ich habe Wege gefunden, mit meiner Lungenkrebserkrankung zu leben.“
*Cindy Griffin ist keine medizinische Fachkraft. Alle Informationen in diesem Artikel beruhen auf ihrer persönlichen Erfahrung. Bei gesundheitlichen Problemen sollte immer ein Arzt/eine Ärztin konsultiert werden.

Was sind Biomarker und wozu werden sie eingesetzt?
Biomarker sind messbare biologische Merkmale, die Veränderungen im Körper anzeigen und sowohl auf Krankheiten als auch auf normale Reaktionen auf Behandlungen hinweisen können. Biomarker können Zellen, Gene, Genprodukte oder bestimmte Moleküle wie Enzyme oder Hormone sein. Sie werden im Labor meist über Gewebe- oder Blutproben bestimmt, seltener über Urinproben.
Biomarker können auf verschiedene Weise genutzt werden:
- Diagnostische Zwecke: In der Krebsforschung werden Biomarker verwendet, um Hinweise auf das Bestehen einer Erkrankung (diagnostischer Biomarker) oder auf ein mögliches Erkrankungsrisiko (prognostischer Biomarker) zu geben.
- Therapieunterstützung: Biomarker können helfen zu beurteilen, ob und wie ein Medikament bei einem ganz bestimmten Patienten / einer Patientin wirkt. Sie ermöglichen es, die am besten wirksame Therapie für Patient*innen unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Voraussetzungen zu bestimmen. Dieser individuelle Behandlungsansatz nennt sich auch „Prescision Oncology“.
Biomarker-Untersuchungen werden sowohl für bereits zugelassene Krebsmedikamente angewendet, als auch für neue, noch nicht zugelassene Wirkstoffe, die aktuell noch im Rahmen klinischer Studien erforscht werden.
FA-11449077, 06/2025
Risikofaktoren
Lungenkrebs – auch als Bronchialkarzinom oder Lungenkarzinom bezeichnet- zählt zu den häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. In Deutschland erhalten jedes Jahr über 50.000 Menschen die Diagnose Lungenkrebs. Männer sind dabei etwas häufiger betroffen als Frauen.
Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Rauchen: Laut dem Deutschen Krebsinformationsdienst erkrankt etwa jede*r 10. Raucher*in im Laufe des Lebens an Lungenkrebs. Doch auch Nichtraucher*innen können betroffen sein – zum Beispiel Menschen, die am Arbeitsplatz regelmäßig schädlichen Dämpfen oder Stäuben ausgesetzt sind.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Patient*nnen mit Lungenkrebs? Und wie sieht der typische Therapieweg aus?

Chronischer Husten – ein Warnsignal

Oft beginnt Lungenkrebs mit einem hartnäckigen Husten, der einfach nicht mehr verschwinden will. Da Husten meist mit einer harmlosen Erkältung oder einer Reizung der Atemwege in Verbindung gebracht wird, dauert es oft eine Weile, bis Betroffene erkennen, dass der Husten chronisch geworden ist. Doch genau das kann ein ernstzunehmendes Warnsignal sein, und sollte unbedingt ärztlich abgeklärt werden.
Auch andere Symptome wie Atemnot, ungewollter Gewichtsverlust oder Schmerzen in der Brust oder den Knochen können Hinweise auf Lungenkrebs sein. In manchen Fällen verläuft die Erkrankung jedoch lange Zeit unbemerkt, ohne auffällige Beschwerden.
Die Diagnose Lungenkrebs kommt für Patient*innen daher oft völlig überraschend und stellt meist einen tiefgreifenden Einschnitt im Leben dar.
Bei der Erstdiagnose erfahren Betroffene in der Regel, dass es zwei Hauptformen von Lungenkrebs gibt:
- Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC– Non-Small Cell Lung Cancer):
Diese Form macht etwa 85 % aller Lungenkrebserkrankungen aus.
- Kleinzelliger Lungenkrebs (SCLC – Small Cell Lung Cancer):
Diese Variante ist seltener, jedoch schneller und neigt dazu, frühzeitig in andere Organe zu streuen, d.h. Metastasen zu bilden.
Der Tumor bestimmt die Therapie
Die Behandlung von Lungenkrebs richtet sich danach, ob es sich um nicht-kleinzelligen oder kleinzelligen Lungenkrebs handelt und wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Wann immer möglich, wird versucht, den Tumor operativ vollständig zu entfernen. Das gilt insbesondere für den nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Ist eine Operation nicht oder nur teilweise möglich, kommen andere Behandlungsformen wie eine Strahlen- oder Chemotherapie zum Einsatz.
Ein Nachteil dieser klassischen Therapie ist, dass sie nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen angreifen kann. Um diese Nebenwirkung zu verringern, konzentriert sich die moderne Krebsforschung zunehmend auf sogenannte zielgerichtete Therapien. Diese greifen gezielt Strukturen an, die nur auf oder in Krebs- bzw. Tumorzellen vorkommen. Gesunde Zellen bleiben so weitgehend verschont.
Nach der Lungenkrebs-Operation: Rückfallrisiko im Blick behalten
Trotz großer Fortschritte bei der Entwicklung neuer Therapien bleibt die operative Entfernung des Tumors – sofern Größe, Lage und Art es zulassen – die bevorzugte Behandlungsoption bei Lungenkrebs. Nach einer erfolgreichen Operation möchten viele Patient*innen mit der Erkrankung abschließen und wieder nach vorne blicken.
Dennoch sollte das Risiko eines Rückfalls (Rezidivs) nicht außer Acht gelassen werden. Denn auch wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, können vereinzelt Krebszellen im Körper zurückbleiben. Diese können später erneut zu einem Tumor heranwachsen, entweder an der ursprünglichen Stelle in der Lunge oder in anderen Organen. Die Nachsorge ist daher ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie hilft dabei, mögliche Rückfälle frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln. Statistisch gesehen tritt bei fast der Hälfte der operierten Patient*innen innerhalb von fünf Jahren erneut ein Tumor auf, am häufigsten im ersten Jahr nach der Operation. Je mehr Zeit nach dem Eingriff vergeht, desto geringer wird ein Rückfallrisiko.

Jeder Mensch geht anders mit Lungenkrebs um

Eine schwere Erkrankung wie Lungenkrebs kann das Leben grundlegend verändern. Viele Betroffene fragen sich:
Was bedeutet diese Diagnose für mein Leben? Warum bin gerade ich erkrankt? Soll ich mein Leben wie bisher weiterführen? Und wie steht es um meine Lebenserwartung?
Auf diese Fragen gibt es keine einfachen Antworten und kein allgemeingültiges Rezept für den Umgang mit der Krankheit. Doch es gibt Wege und Strategien, die helfen können, mit der belastenden Situation besser zurechtzukommen. Eine wichtige Anlaufstelle für Patient*innen, die sich psychologische Unterstützung wünschen, sind Psychoonkolog*innen. Sie sind speziell dafür ausgebildet, Menschen mit einer Krebserkrankung in emotional schwierigen Phasen zu begleiten und zu stärken.
Der Krebsinformationsdienst bietet eine gute Übersicht über Psychoonkolog*innen in verschiedenen Regionen – ein guter erster Schritt für alle, die sich Unterstützung wünschen. Weitere Informationen für Betroffene mit Lungenkrebs finden Sie beim Bundesverband Selbsthilfe Lungenkrebs (BSL) e.V. und für zielgerichtet behandelte Patient*innen mit Mutationen des Lungenkrebs bei zielGENau e.V..
Vorsorge durch adjuvante Therapien
Neben der seelischen Verarbeitung der Erkrankung spielt auch die medizinische Nachsorge eine zentrale Rolle, insbesondere um das Risiko eines Rückfalls möglichst gering zu halten. In der Anschlussbehandlung von Lungenkrebs kommen sogenannte adjuvante Therapien zum Einsatz. Üblich ist eine adjuvante Chemotherapie, die dem Wiederauftreten des Tumors bereits im Vorfeld entgegenwirken soll, indem nach einer Operation verbliebene Krebszellen bekämpft und deren Vermehrung verhindert werden.
In den letzten Jahren haben sich auch neue, zielgerichtete adjuvante Therapien etabliert. Diese modernen Behandlungsansätze erkennen spezifische Merkmale von Krebs- bzw. Tumorzellen und greifen gezielt dort an. Außerdem sollen sie das Entstehen neuer Krebszellen verhindern. Diese innovative Therapien gelten als besonders vielversprechend, da sie nicht nur auf Heilung ausgerichtet sind, sondern auch die Lebensqualität der Patient*innen verbessern können, das Rückfallrisiko senken und gleichzeitig die Nebenwirkungen reduzieren.

Therapieoption klinische Studie
Viele neue Medikamente zur Behandlung von Lungenkrebs befinden sich derzeit noch in der klinischen Erprobung. Das bedeutet: sie sind noch nicht für die reguläre Behandlung zugelassen und können nur im Rahmen klinischer Studien eingesetzt werden. Nur Patient*innen, die an einer solchen Studie teilnehmen, dürfen mit diesen Studienmedikamenten behandelt werden. Die Teilnahme an einer klinischen Studie kann eine wertvolle Therapieoption sein. Allerdings gelten für die Teilnahme an klinischen Studien spezielle Voraussetzungen. Nur Patient*innen, die diese Kriterien zur Studienteilnahme genau erfüllen, können in eine klinische Studie aufgenommen werden. Mehr zur Teilnahme an einer klinischen Studie erfahren sie hier.
Informationen zum Studienprogramm von Novartis finden Sie hier. Gibt es aktuell keine passenden Studien, können Sie sich hier für den Studienwecker eintragen.
FA-11449077, 06/2025