Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist eines der weltweit häufigsten Viren. Schätzungen zufolge infizieren sich über 90 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens damit. Obwohl EBV weit verbreitet ist, stand es lange Zeit weniger im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit als andere Viren. Inzwischen rückt es jedoch zunehmend in den Mittelpunkt der medizinischen Forschung.

Weltweit wird aktuell in zahlreichen klinischen Studien zu EBV geforscht – unter anderem zu seiner Rolle bei Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen und möglichen Impfstoffen.

Eine meist unbemerkte Infektion

Die Erstinfektion mit EBV erfolgt häufig bereits im Kindesalter und verläuft dann oft wie ein leichter grippaler Infekt oder ganz ohne Symptome, sodass sie in vielen Fällen völlig unbemerkt bleibt. Das Virus wird vor allem über Speichel übertragen, zum Beispiel durch engen persönlichen Konktakt, gemeinsames Benutzen von Trinkgefäßen oder Besteck oder beim Küssen. Aus diesem Grund wird das Pfeiffersche Drüsenfieber umgangssprachlich auch als „Kusskrankheit“ bezeichnet.

Erfolgt die Ansteckung erst im Jugend‑ oder Erwachsenenalter, kann es zu einer Erkrankung kommen, die als Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) bekannt ist. Typische Symptome sind Fieber, starke Müdigkeit, Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten.

In der Regel heilt diese Erkrankung ohne bleibende Folgen aus. Nach der Infektion verbleibt das Virus jedoch lebenslang im Körper.

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Persistierende Viren: lebenslange Begleiter

EBV gehört zur Familie der Herpesviren. Charakteristisch für diese Virusgruppe ist ihre Fähigkeit zur sogenannten Persistenz. Das bedeutet, dass das Virus nach der Erstinfektion im Körper verbleibt und sich zeitweise „ruhend“ verhält. Das Virus bleibt in speziellen weißen Blutkörperchen, den sogenannten B-Gedächtniszellen, verborgen und wird vom Immunsystem weitgehend kontrolliert, aber nicht vollständig beseitigt.

Während dieser Ruhephasen verursacht EBV in der Regel keine Beschwerden. Dennoch kann es immer wieder zu einer geringen Aktivität des Virus kommen, entweder spontan, durch Stress oder ein unterdrücktes Immunsystem. Fachleute vermuten, dass diese langfristige Wechselwirkung zwischen Virus und Immunsystem bei manchen Menschen zu chronischen Entzündungsprozessen beitragen kann.

Auch andere Erreger wie HIV, Hepatitis‑Viren oder das Herpes-simplex-Virus zählen zu den persistierenden Viren.

EBV und das Risiko für bestimmte Erkrankungen

In den vergangenen Jahren hat die Forschung deutliche Hinweise darauf gefunden, dass EBV bei der Entstehung bestimmter Erkrankungen eine Rolle spielen kann.

EBV wird mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht, darunter:

  • bestimmte Lymphome (z. B. Hodgkin‑Lymphom)
  • Nasopharynxkarzinome
  • ein Teil der Magenkrebserkrankungen

Forschungsergebnisse zeigen, dass EBV‑Proteine Prozesse in infizierten Zellen beeinflussen können, die das Risiko für die Entstehung von Krebs erhöhen. Dabei gilt: Das Epstein-Barr-Virus ist in der Regel nicht die alleinige Ursache. Nur ein sehr kleiner Teil der infizierten Menschen entwickelt tatsächlich Krebs. Weitere Faktoren wie genetische Veranlagung, das individuelle Immunsystem und Umwelteinflüsse spielen eine entscheidende Rolle.

Große Langzeitstudien legen nahe, dass eine frühere EBV‑Infektion ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Multiplen Sklerose (MS) ist. Die Infektion gilt dabei als notwendige, jedoch nicht allein ausreichende Voraussetzung für das Entstehen der Erkrankung.

Gibt es eine Behandlung gegen EBV?

Derzeit gibt es keine gezielte Therapie, die EBV aus dem Körper entfernen kann, und auch keinen zugelassenen Impfstoff. Die Behandlung konzentriert sich daher in erster Linie auf die Linderung von Symptomen.

Beim Pfeifferschen Drüsenfieber bedeutet dies meist:

  • Fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente
  • körperliche Schonung
  • Verzicht auf Sport und starke Belastungen

In den meisten Fällen klingt die aktute Erkrankung innerhalb weniger Wochen ab. Müdigkeit und Erschöpfung kann jedoch bei einigen Betroffenen noch deutlich länger anhalten. Virostatika kommen nur in speziellen Situationen zum Einsatz. Antibiotika sind nur dann sinnvoll, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion vorliegt.

Bei anhaltenden oder sehr starken Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

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Forschung zu neuen Ansätzen

Die klinische Forschung zu EBV schreitet voran. Aktuelle Studien untersuchen unter anderem:

  • genetische Faktoren für schwere oder langanhaltende Krankheitsverläufe
  • neue antivirale und immunologische Therapieansätze
  • präventive und therapeutische Impfstoffe gegen EBV

Ziel ist es, Risikogruppen künftig besser zu erkennen und gezielter behandeln zu können.

Was kann man selbst tun?

Eine EBV‑Infektion lässt sich nicht sicher vermeiden. Ein gesunder Lebensstil bietet zwar keinen gezielten Schutz vor dem Virus, kann jedoch das Immunsystem insgesamt unterstützen und dabei helfen, mit Infektionen besser umzugehen. Dazu beitragen können eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung sowie Stressreduktion.

Während einer akuten EBV-Erkrankung sollte insbesondere auf Sport und starke körperliche Belastungen verzichtet werden. In dieser Phase kann die Milz vergrößert sein, was mit einem erhöhten Risiko für Verletzungen verbunden ist. Eine körperliche Schonung ist daher besonders wichtig.

Bei neu auftretenden neurologischen oder autoimmunen Erkrankungen kann es sinnvoll sein, gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu prüfen, ob eine frühere EBV‑Infektion eine Rolle spielen könnte.

FA-11652214, 05/2026

Die Begriffe HIV und AIDS werden oft synonym verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche medizinische Zustände. Dieses Missverständnis führt zu Unsicherheit oder Stigmatisierung. In den vergangenen Jahrzehnten sind das Wissen über HIV und dessen Behandlungsmöglichkeiten enorm gewachsen. Dieser Beitrag erklärt, was hinter HIV oder AIDS steckt, wie eine Infektion erkannt und behandelt werden kann und welche Fortschritte die klinische Forschung bereits erzielt hat.

HIV und AIDS: Unterschied und medizinische Grundlagen

Das Human Immunodeficiency Virus – kurz HIV – greift gezielt das Immunsystem an. Dabei zerstört es vor allem bestimmte Abwehrzellen, die sogenannten CD4-T-Helferzellen. Wird ihre Zahl durch das Virus stark verringert, wird das Immunsystem immer schwächer, sodass der Körper sich nicht mehr gut gegen Infektionen und bestimmte Krebsarten wehren kann. Ohne Therapie kann sich daher aus einer HIV-Infektion über Jahre hinweg die Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) entwickeln. AIDS ist das Stadium, in dem das Immunsystem stark geschädigt ist und lebensbedrohliche Erkrankungen auftreten können. So können selbst harmlose Erreger lebensbedrohlich werden. Betroffene sind besonders gefährdet für schwere Infektionen oder Krebserkrankungen, die bei gesunden Menschen selten vorkommen.

Illustration von vier Personen mit roter AIDS-Awareness Schleife mit blauen, gerundeten Formen im Hintergrund

Entwicklung der Infektionszahlen

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts leben in Deutschland rund 90.000 Menschen mit dem HI-Virus. Etwa 1.600 Neuinfektionen kommen jährlich hinzu – ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Jahrzehnten. Weltweit sind laut UNAIDS etwa 39 Millionen Menschen betroffen.
Der Rückgang der Todesfälle zeigt, wie stark neue Therapieansätze die Behandlung verbessert haben. Dennoch bleibt die Situation in vielen Ländern kritisch. Fehlende Medikamente, unzureichende Testmöglichkeiten und soziale Ausgrenzung verhindern eine flächendeckende Prävention.

Übertragungswege und schützende Maßnahmen

Übertragung

HIV kann über Blut, Sperma, Vaginalsekret und Muttermilch übertragen werden. Andere Flüssigkeiten wie Speichel, Schweiß oder Urin enthalten so wenig HIV, dass eine Ansteckung praktisch ausgeschlossen ist.
Am häufigsten erfolgt die Übertragung bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr, weil die Schleimhäute empfindlich sind und das Virus leicht eindringen kann. Ein weiterer Weg ist die gemeinsame Nutzung von Spritzen und Nadeln, zum Beispiel beim Drogenkonsum, da winzige Blutreste HIV übertragen können. Auch unsterile medizinische Eingriffe können Übertragungsrisiken bergen. Außerdem kann das Virus von der Mutter während Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit auf das Kind übergehen. Mit einer wirksamen Therapie lässt sich dieses Risiko jedoch fast vollständig verhindern.
Alltäglicher Körperkontakt, Händeschütteln, Anhusten oder der Kontakt mit Speichel führen dagegen nicht zur Ansteckung.

Schützende Maßnahmen

HIV ist heute gut behandelbar, aber die beste Strategie ist, sich gar nicht erst anzustecken. Safer Sex ist der wichtigste Schutz: Kondome oder Femidome beim Vaginal- und Analverkehr verhindern zuverlässig eine Übertragung. Beim Oralverkehr ist das Risiko sehr gering.
Zusätzlich gibt es die PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe), eine vorbeugende Medikamenteneinnahme für HIV-negative Personen mit hohem Risiko. Für Notfälle steht die PEP (Post-Expositions-Prophylaxe) zur Verfügung: Sie muss innerhalb von 48 Stunden nach einem möglichen Kontakt begonnen werden und dauert 28 Tage.
Ein weiterer Schutz ist die HIV-Therapie. Wer HIV-positiv ist und eine wirksame Behandlung macht, kann die Viruslast auf diese Weise so stark senken, dass das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Dann kann das Virus nicht mehr übertragen werden (Undetectable = Untransmittable: „U = U“). Regelmäßige Kontrollen sind dabei entscheidend.
Auch außerhalb des Sexualkontakts gibt es Schutzmaßnahmen: Beim Drogenkonsum sollte man niemals Spritzen teilen, sondern sterile Utensilien verwenden. In medizinischen Berufen gelten strenge Hygieneregeln, um Nadelstichverletzungen zu vermeiden. Blutkonserven und Spenderorgane werden in Deutschland sorgfältig getestet, sodass das Risiko einer Übertragung extrem gering ist.

Illustration einer Weltkugel mit großer roter AIDS-Awareness Schleife, neben der zwei Personen stehen, auf blauen, abgerundeten Formen im Hintergrund

Früherkennung und Diagnose von HIV

Eine Ansteckung mit HIV bleibt oft lange unbemerkt, da die ersten Symptome unspezifisch sind. Kurz nach einer HIV-Ansteckung können unter anderem Fieber, Abgeschlagenheit, Hautausschlag und geschwollene Lymphknoten auftreten. Diese Beschwerden halten oft nur wenige Wochen an und werden leicht mit einer Grippe verwechselt. Danach folgt meist eine lange Phase ohne Symptome, in der das Virus jedoch aktiv bleibt und das Immunsystem schädigt.
HIV lässt sich durch den Nachweis von Antikörpern und Virusbestandteilen im Blut feststellen. Dieser HIV-Test kann einige Wochen nach einer potenziellen Ansteckung zuverlässige Ergebnisse liefern. In besonderen Fällen kann ein PCR-Test das Virus schon früher identifizieren, indem er seine Erbsubstanz nachweist.

Therapiemöglichkeiten

Dank moderner Medikamente ist HIV heute keine tödliche Diagnose mehr. Mit einer rechtzeitig begonnenen Therapie können Menschen mit HIV ein nahezu normales Leben führen. Die Behandlung verhindert, dass sich die Infektion zu AIDS entwickelt.

Die antiretrovirale Therapie, kurz ART, ist heute die Standardbehandlung bei HIV. Dabei werden mehrere Medikamente kombiniert, die das Virus an verschiedenen Stellen blockieren und so seine Vermehrung stoppen. Dadurch sinkt die Menge des Virus im Blut auf ein so niedriges Niveau, dass es nicht mehr nachweisbar ist. Moderne Medikamente sind einfach anzuwenden: Meist reicht eine Tablette pro Tag oder eine Spritze alle paar Wochen. Menschen, die regelmäßig behandelt werden, haben heute fast die gleiche Lebenserwartung wie Personen ohne HIV. AIDS entsteht, wenn eine HIV-Infektion unbehandelt bleibt und das Immunsystem stark geschädigt ist. Die wichtigste Behandlung ist hier auch die antiretrovirale Therapie. Auch wenn AIDS bereits ausgebrochen ist, kann die Therapie das Leben deutlich verlängern und die Lebensqualität verbessern.

Illustration einer Hand die eine schwebende, rote AIDS-Awarenessschleife hält auf dunkelblauem Hintergrund

Zusätzlich werden Begleiterkrankungen und Infektionen behandelt, die bei einem geschwächten Immunsystem auftreten können, zum Beispiel Lungenentzündungen, Pilzinfektionen oder bestimmte Krebsarten. Ärztinnen und Ärzte setzen dafür spezielle Medikamente ein, manchmal auch Antibiotika oder Antipilzmittel. Außerdem sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und psychologische Unterstützung wichtig.

Neue Behandlungsoptionen durch klinische Forschung

Die Forschung zu HIV und AIDS bewegt sich in drei Richtungen: vereinfachte Langzeittherapien, Heilungsstrategien und Impfstoffentwicklung. Eine vollständige Heilung ist noch nicht verfügbar, aber die Fortschritte in der Forschung schreiten voran.
Weltweit arbeiten Forschende an Impfstoffen, die eine Ansteckung verhindern oder das Virus langfristig kontrollierbar machen könnten. Mithilfe der mRNA-Technologie werden derzeit HIV-Impfstoffe getestet. Ein zugelassener Impfstoff existiert noch nicht, aber mehrere Kandidaten befinden sich in fortgeschrittenen Studien.
Zusätzlich werden neue Medikamente entwickelt. Darunter fallen langwirkende Medikamente, die die tägliche Einnahme überflüssig machen, da eine Verabreichung mehrere Monate wirksam ist. Ziel hierbei ist es, die Therapietreue zu verbessern und den Alltag der Betroffenen zu erleichtern.
Neben neuen und optimierten Behandlungsmethoden rückt die Möglichkeit der Heilung einer HIV-Infektion in den Mittelpunkt der Forschung. Es gab bereits einzelne Fälle, in denen Menschen nach einer Stammzelltransplantation komplett geheilt wurden, allerdings nur unter sehr speziellen Bedingungen. Forschende arbeiten an neuen Methoden wie Gentherapie und speziellen Antikörpern. Diese sollen das Virus gezielt aus dem Körper entfernen oder so kontrollieren, dass es nicht mehr schädigt. Diese Verfahren werden derzeit in Studien getestet und sind noch nicht verfügbar.

FA-11571065, 12/2025

Impfungen sind eine Methode der Medizin, die dem Körper hilft, sich gegen bestimmte Krankheiten zu schützen noch bevor man sich überhaupt ansteckt. Hierbei wird das Abwehrsystem des Körpers (das Immunsystem) gezielt auf Infektionen mit bestimmten Krankheitserregern vorbereitet.

Dazu wird dem Körper ein ungefährlicher Teil eines Krankheitserregers (z.B. ein abgeschwächtes Virus oder ein abgetötetes Bakterium) verabreicht. Dieser wird als Impfstoff bezeichnet. Der Impfstoff führt nicht zur entsprechenden Erkrankung, aber das Immunsystem erkennt ihn als fremd und beginnt, Abwehrstoffe zu bilden.

Das Immunsystem hat ein langanhaltendes Gedächtnis und “merkt” sich diesen Erreger und wie man ihn bekämpft. Bei einem späteren Kontakt mit dem echten, gefährlichen Erreger kann das Immunsystem daher sehr schnell reagieren und ihn gezielt bekämpfen. So wird man entweder gar nicht oder nur leicht krank. Impfungen sind also eine Art Training für das Immunsystem und helfen, schwere Krankheiten zu verhindern.

Impfungen sind für die gesamte Gesellschaft wichtig. Sie schützen nicht nur die geimpfte Person selbst, sondern helfen auch, die Verbreitung von bestimmten Krankheiten einzudämmen. Das ist besonders wichtig für Menschen, die selbst nicht geimpft werden können, zum Beispiel weil sie an bestimmten Erkrankungen leiden oder ein sehr schwaches Immunsystem haben. Wenn ein Großteil der Menschen geimpft sind, schützt das auch diese Personen. Man spricht dann von Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität. Durch Impfprogramme konnten viele gefährliche Krankheiten stark eingedämmt oder sogar weltweit ausgerottet werden, wie zum Beispiel Pocken.

Historische Entwicklung der Impfung

Die Geschichte der Impfung reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der britische Arzt Edward Jenner gilt als Begründer der modernen Impfpraxis. Zu dieser Zeit waren die Pocken eine gefürchtete und oft tödliche Krankheit. Jenner beobachtete, dass Melkerinnen, die sich mit den harmlosen Kuhpocken infiziert hatten, später nicht an den gefährlichen Menschenpocken erkrankten. Er vermutete, dass durch eine Infektion mit Kuhpocken einen Schutz gegen die Pocken entstanden ist. Um diese Theorie zu testen, entnahm Jenner Flüssigkeit aus einer Kuhpockenblase einer Melkerin und verabreichte sie einem gesunden Jungen. Der Junge entwickelte eine leichte Kuhpockeninfektion, erholte sich aber schnell. Später setzte Jenner ihn absichtlich den echten, gefährlichen Pocken aus, mit dem Ergebnis, dass der Junge nicht krank wurde. Das zeigte: Die vorhergehende ungefährliche Infektion mit Kuhpocken hatte ihn gegen die Pocken geschützt. Edward Jenner’s Experimente mit Kuhpocken führten 1796 zur ersten dokumentierten Schutzimpfung. Diese Entdeckung markierte den Beginn einer kontinuierlichen Entwicklung bei der Immunisierung gegen Krankheitserreger, die bis heute anhält.

Im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts konnten zahlreiche Infektionskrankheiten durch flächendeckende Impfprogramme eingedämmt werden.

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen Kinderlähmung, Diphtherie oder Influenza zeigen, wie sehr sich die Medizin wieterentwickelt hat. Die neuen Impfstoff-Arten wie mRNA- oder Vektor-Impfstoffe führen diesen Fortschritt fort.

Illustration von Viren inmitten von roten Blutplättchen auf rotem HIntergrund.

Welche Arten von Impfstoffen gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Impfstoffen, weil sich Krankheitserreger stark voneinander unterscheiden können und auch unterschiedliche Anforderungen an den Schutz bestehen. Je nach Erreger – ob Virus, Bakterium oder von ihnen produzierte Schadstoffe – muss das Immunsystem auf unterschiedliche Weise trainiert werden. Manche Impfstoffe enthalten abgetötete oder abgeschwächte Erreger, andere liefern nur bestimmte Bestandteile oder genetische Informationen, um eine Immunantwort auszulösen. Auch individuelle Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand oder Vorerkrankungen spielen eine Rolle bei der Auswahl des geeigneten Impfstofftyps. So sind beispielsweise Lebendimpfstoffe für immungeschwächte Personen oft ungeeignet, während mRNA- oder Proteinimpfstoffe hier besser verträglich sein können. Dank moderner Technologien lassen sich Impfstoffe heute schneller und gezielter entwickeln. Das ist ein entscheidender Vorteil bei neu auftretenden Infektionskrankheiten wie z.B. COVID-19.

Die Vielfalt an Impfstoffarten ist also notwendig, um für jede Krankheit und jede Zielgruppe eine möglichst wirksame und sichere Schutzmöglichkeit zu bieten. Grundsätzlich lassen sich Impfstoffe in verschiedene Kategorien einteilen, je nachdem, wie sie das Immunsystem zur Abwehr anregen:

Lebendimpfstoffe

enthalten stark abgeschwächte Erreger. Sie lösen eine besonders starke und langanhaltende Immunantwort aus. Beispiele hierfür sind Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln.

Totimpfstoffe

enthalten abgetötete Viren oder Bakterien. Sie können keine Krankheiten auslösen. Diese Impfstoffe müssen oft mehrfach verabreicht (“aufgefrischt”) werden, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Beispiele hierfür sind Impfstoffe gegen Hepatitis A oder Grippeimpfungen.

Toxoid-Impfstoffe

sind Impfstoffe, die nicht gegen den eigentlichen Erreger wirken, sondern gegen ein schädliches Produkt (Toxin), das der Erreger herstellt. Man nimmt dieses Toxin, macht es im Labor unschädlich (das nennt man „Toxoid“) und verabreicht es als Impfstoff. Der Körper erkennt das Toxoid als fremd und bildet Abwehrstoffe dagegen. Wenn später das echte Toxin auftaucht, kann der Körper es schnell bekämpfen. Diese Impfstoffe werden bei Erkrankungen wie Tetanus oder Diphtherie eingesetzt.

mRNA-Impfstoffe

liefern dem Körper direkt eine Art Bauanleitung, damit er selbst ein kleines Stück des Virus herstellen kann. Dieses erkennt das Immunsystem dann als fremd und bildet gezielt Abwehrstoffe. Solche Impfstoffe werden z. B. gegen COVID-19 eingesetzt.

Vektorbasierte Impfstoffe

nutzen ein ähnliches Prinzip wie mRNA-Impfstoffe, liefern die Bauanleitung aber “verpackt”. Sie verwenden ein harmloses Virus als Transportmittel (“Vektor”), um dem Körper genetische Informationen über den eigentlichen Erreger zu geben. Auch damit kann das Immunsystem lernen, sich zu schützen. Diese Art von Impfstoff wird z.B. zum Schutz gegen Ebola verwendet.

Proteinbasierte Impfstoffe

enthalten bestimmte Eiweißbestandteile der Erreger. Der Körper erkennt diese als fremd und baut gezielt Abwehr auf. Ein Beispiel ist die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Rolle der klinischen Forschung bei der Entwicklung von Impfstoffen

Die Forschung an neuen Impfstoffen trägt wesentlich dazu bei, auf neue Erreger reagieren zu können und bestehende Schutzmaßnahmen zu verbessern. Die Entwicklung eines Impfstoffs durchläuft einen mehrstufigen Prozess, bei dem die klinische Forschung eine zentrale Rolle spielt. Sie ist der entscheidende Schritt, um herauszufinden, ob ein neuer Impfstoff beim Menschen sicher ist und tatsächlich schützt. Nachdem ein Impfstoff im Labor und an Tieren getestet wurde, beginnt die klinische Prüfung in mehreren Phasen: In Phase I wird er an wenigen gesunden Freiwilligen getestet, um erste Erkenntnisse zur Verträglichkeit zu gewinnen. In Phase II folgen Tests mit einer größeren Anzahl an Personen, bei denen die optimale Dosis und die Immunantwort untersucht werden. In Phase III wird der Impfstoff an Tausenden von Menschen geprüft, um seine Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen im großen Maßstab zu bewerten. Erst dann kann ein Impfstoff möglicherweise zur Anwendung zugelassen werden. Mehr Informationen zur Entwicklung von neuen Medikamenten sind hier zu finden. Die Einhaltung regulatorischer Standards und ethischer Richtlinien ist dabei ebenso wichtig wie die wissenschaftliche Bestätigung der Ergebnisse.

Illustration einer Frau im Laborkittel die etwas mit einer Pipette in ein Röhrchen füllt auf grauem, neutralen Hintergrund.

FA-11477770, 0/2025

Das Komplementsystem ist ein zentraler Bestandteil der angeborenen Immunabwehr.

Es besteht aus einer Kaskade von inaktiven zirkulierenden Plasmaproteinen. Bei Aktivierung durch zum Beispiel der Präsenz von Pathogenen, wird eine Reihe immunologischer Prozesse ausgelöst, darunter die Opsonierung von Pathogenen, deren Phagozytose und weitere Entzündungsreaktionen.

Folgendes Video erklärt auf anschauliche Weise, wie die Aktivierungskaskade funktioniert, welche Rolle die verschiedenen Komplementfaktoren spielen und wie das System zur Eliminierung von Pathogenen beiträgt. Zudem liefert es Informationen, wie ein fehlreguliertes Komplementsystem zu Gewebeschäden und Krankheiten führen kann. Der Fokus liegt hierbei auf komplementvermittelten Nierenerkrankungen, wie der C3-Glomerulopathie.

Zum Video

Kinder bauen gemeinsam ein Spielzeug Molekül an einem Holztisch.

Häufig hört man die Abkürzung HPV, doch wofür steht diese? Es handelt sich um das Humane PapillomaVirus (HPV), ein Erreger, der zu den am häufigsten sexuell übertragenen Viren weltweit gehört. Etwa 4 von 5 Menschen infizieren sich durch Geschlechtsverkehr mindestens einmal mit HPV, meist ohne merkbare Symptome.

Was ist HPV und wie wird es übertragen?

Als HPV wird eine Gruppe von Viren mit über 200 verschiedene Typen bezeichnet, von denen einige harmlose Hautwarzen verursachen, während andere mit der Entstehung schwerwiegender Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs oder Kehlkopfkrebs in Verbindung stehen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt. Besonders riskant ist ungeschützter Geschlechtsverkehr, jedoch kann auch eine Schmierinfektion zur Verbreitung führen. Studien zeigen, dass rund 80 % aller sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV in Kontakt kommen.

Ein Mädchen im Beratungsgespräch mit einer Ärztin in einem hellen Praxisraum.

HPV und seine gesundheitlichen Folgen

Die meisten HPV-Infektionen verlaufen symptomlos und heilen innerhalb weniger Monate oder Jahre von selbst ab. Bei bestimmten Typen des Virus (z.B. HPV-16 oder HPV-18) besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Unbehandelte Infektionen können langfristig zu Zellveränderungen führen. Frauen sind besonders gefährdet, aber auch Männer können an HPV-bedingten Krebsarten erkranken. Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen und HPV-Tests sind daher essenziell zur Früherkennung.

Schutz vor HPV: Impfungen und Vorsorge

1. HPV-Impfung: Ein entscheidender Schutz

Die HPV-Impfung wird als eine der effektivsten Maßnahmen zur Prävention von HPV-assoziierte Erkrankungen betrachtet. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Mädchen und Jungen ab neun Jahren empfohlen. Studien zeigen, dass die Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um bis zu 90 % reduzieren kann.

2. Regelmäßige Früherkennung

Früherkennung ist neben der Impfung entscheidend. Der Pap-und der HPV-Test ermöglichen, Zellveränderungen frühzeitig zu identifizieren. Eine rechtzeitige Behandlung kann das Fortschreiten hin zu einer Krebserkrankung verhindern.

Junge Frau erhält von einem Arzt eine Injektion in den Oberarm in einem Behandlungszimmer.

Fortschritte und Relevanz der HPV-Forschung

In Deutschland wird intensiv an neuen Behandlungsstrategien gegen HPV-assoziierte Erkrankungen geforscht. Dabei stehen innovative Immuntherapien, antivirale Medikamente und optimierte Impfstoffe im Fokus. Klinische Studien spielen eine entscheidende Rolle, um die Wirksamkeit und Sicherheit neuer Therapien zu bewerten undermöglichen es, neue Wirkstoffe unter realen Bedingungen zu testen. Dabei werden Sicherheit, Verträglichkeit und Effektivität umfassend geprüft. HPV ist eine ernstzunehmende Infektion mit weitreichenden Folgen. Die Kombination aus Impfungen, Früherkennungsmaßnahmen und innovativen Behandlungsmethoden bietet jedoch vielversprechende Möglichkeiten, die Verbreitung und Folgen des Virus einzudämmen.

FA-11363850, 02/2025

CAR-T-Zell Therapie – das ist erst einmal ein Begriff, mit dem man nicht viel anfangen kann. CAR – hat das was mit Autos zu tun? Was sind denn T-Zellen und warum werden sie für diese Therapie eingesetzt?

Hinter der CAR-T-Zell-Therapie verbirgt sich eine Form der Immuntherapie, doch was ist Immuntherapie nun schon wieder.

Illustration eines grünen Kreises mit gelbem Fragezeichen.

Was ist eine Immuntherapie?

Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk aus spezialisierten Zellen, Geweben und Organen, die eng zusammenarbeiten, um den Körper vor Krankheitserregern zu schützen und geschädigte und krankhafte Zellen zu beseitigen. Es fungiert als eine Art von Polizei und sorgt eigenständig für Schutz und Ordnung.

Manchmal gelingt es diesen krankhaften Zellen jedoch der Beseitigung durch das Immunsystem zu entgehen, indem sich tarnen oder die Immunabwehr bremsen. Die Immuntherapie setzt genau hier an: Sie hilft dem Immunsystem, solche Zellen wieder zu erkennen und gezielt zu zerstören.

Die Immuntherapie ist ein Oberbegriff für verschiedene Therapien, bei denen ein Teil des körpereigenen Immunsystem eingesetzt wird, um eine Erkrankung zu behandeln. Dabei können auch Bestandteile des Immunsystems, wie z.B. spezialisierte Zellen verwendet werden, um gezielt eine spezielle Krankheit wie z.B. Blutkrebs zu behandeln.

Warum eignen sich T-Zellen als Werkzeug in der Immuntherapie?

T-Zellen sind ein Teil der Zellen im Blut und gehören zu den weißen Blutkörperchen. Sie nehmen eine wichtige Rolle im Immunsystem wahr, denn sie sind auf die Erkennung von speziellen Molekülen von Krankheitserregern spezialisiert. Erkennt eine T-Zelle, dass z.B. eine Körperzelle infiziert ist, so kann sie diese Zelle direkt vernichten.

Diese Eigenschaft der T-Zelle nutzt man bei der Immuntherapie. Der Trick hierbei ist, dass man die T-Zelle so umprogrammiert, dass sie nun Moleküle von körpereigenen Zellen erkennt, die durch eine Fehlfunktion eine Erkrankung wie z.B. Blutkrebs auslösen. So können die umprogrammierten T-Zellen die falsch-funktionierenden Zellen ausschalten.

Illustration eines Schloßes mit Schlüssel.

Was sind CAR-T-Zellen?

Das CAR vor diesen speziellen T-Zellen steht für chimärer Antigenrezeptor. Nun ist die Abkürzung klar, aber nicht genau, was das denn ist.

Der Organismus ist ein verzweigtes und komplexes Netzwerk, dessen Bestandteile gezielt miteinander kommunizieren müssen, um richtig zu funktionieren und auf verschiedene Bedingungen reagieren zu können. Dazu brauchen sie Rezeptoren, die ähnlich wie Sinnesorgane Informationen von außen aufnehmen können. Rezeptoren können nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip bestimmte Signalmoleküle erkennen. Das bedeutet, wenn ein spezielles Signalmolekül an einen bestimmten Rezeptor bindet, wird durch eine Signaleinheit am Rezeptor eine gezielte Reaktion in der Zelle ausgelöst.

Ein solches Signal in der Zelle kann auch durch die Bindung eines Rezeptors an ein Antigen erfolgen. Ein Antigen, auch wenn der Name in die Irre führen könnte, hat nichts mit einem Gen zu tun. Ein Antigen ist die Bezeichnung für einen Stoff, auf den das Immunsystem reagiert. Das kann ein Teil eines Bakteriums sein, aber auch Bestandteile schädlicher Zellen, wie z.B. Krebszellen.

Antigen-Rezeptoren kommen auf den Zellen unseres Immunsystems vor. Sie können durch das Erkennen von Antigenen eine Immunantwort auslösen.

Eine Chimäre ist vielleicht besser als mythologisches Wesen bekannt, dass sich aus verschiedenen Tieren zusammensetzt, wie z.B. der Greif, einer Mischung aus Löwe und Adler. Bei dem chimären Antigenrezeptor (CAR) bedeutet das, dass der Rezeptor aus Teilen zusammengesetzt ist, die normalerweise so nicht zusammen auf T-Zellen zu finden sind.

Der CAR wird künstlich hergestellt und besteht aus drei Bausteinen:

  • ein Anker, der den Rezeptor in der Oberfläche der Zelle sichert,
  • ein Detektor auf der Außenseite der Zelle, der exakt Moleküle auf der Zielzelle erkennen kann
  • eine Signaleinheit auf der Innenseite der T-Zelle, die Anweisungen an die Zelle weitergibt, was nach Erkennen der Zielzelle zu geschehen hat. In diesem Fall die Zerstörung der schädlichen Zielzelle.

Wie kommt der CAR in die T-Zellen?

Das Erbgut, also unsere DNA, enthält sehr viele Anleitungen und Baupläne in Form von Genen für die verschiedensten Proteine und Strukturen in unserem Organismus. Diese Gene werden in den Zellen ausgelesen und das jeweilige Produkt wird produziert. Das Gen für den CAR ist nicht im Erbgut enthalten, sondern wird künstlich hergestellt, in die T-Zellen eingeschleust, die zuvor den Patient*innen entnommen wurden, und dort in die DNA eingebaut. Hierfür nutzt man eine schlaue Eigenschaft einiger Viren. Diese vermehren sich, indem sie ihr eigenes Erbgut in das Erbgut der Wirtszelle, in die sie eindringen, integrieren. Um CAR-T-Zellen herzustellen, wird das Gen für den CAR in das Erbgut eines vorbereiteten Virus eingebaut. Das Virus wurde zuvor so verändert, dass es nicht mehr schädlich ist und keine Krankheit auslösen kann. Dieses Virus, dass nun den Bauplan für den CAR in das Erbgut der T-Zellen schleust, nennt man einen viralen Vektor. Nach dem Einbau der DNA werden die T-Zellen als CAR-T-Zellen bezeichnet. Die entstandene CAR-T-Zelle ist jetzt in der Lage den chimären Antigenrezeptor selbst zu produzieren und diesen auf ihrer Oberfläche zu präsentieren.

Die CAR-T-Zellen müssen für die Therapie in ausreichender Menge vorliegen. Dazu werden sie entweder im Labor über mehrere Tage außerhalb des Körpers vermehrt und dann den Patient*innen wieder verabreicht oder es wird eine Methode angewendet, bei der die CAR-T-Zellen vorab nicht künstlich vermehrt werden, sondern sie sich nach der Rückgabe im Körper der Patient*innen selbst vermehren.

Illustration einer roten DNA-Helix auf grünem Kreis auf gelbem Hintergrund.

CAR-T-Zell Therapie für die Behandlung von Blutkrebs

CAR-T-Zell Therapien sind bereits für die Behandlung von bestimmten Krebsarten, wie z.B. Blutkrebs (Leukämie) und Tumoren, die aus einer bestimmten Zellart entstanden sind (B-Zellen), zugelassen. CAR-T-Zell Therapien haben sich als mögliche Behandlungsoption für Blutkrebs erwiesen, insbesondere für Patienten, bei denen andere Therapien nicht erfolgreich waren. Die CAR-T-Zellen erkennen ein bestimmtes Oberflächenmolekül auf den Tumorzellen und verursachen deren gezielte Zerstörung. Nach der Verabreichung bleiben die modifizierten CAR-T-Zellen in der Regel im Körper des Patienten/der Patientin vorhanden und können Krebszellen auch weiterhin erkennen. Dadurch kann das Risiko eines erneuten Auftretens des jeweiligen Krebses verringert werden.

Neuer Ansatz: CAR-T-Zell-Therapie  in der Erforschung für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen

Die CAR-T-Zell-Therapie hat aufgrund ihrer Funktionsweise auch das Potential eine neue Behandlungsoption für bestimmte Autoimmunerkrankungen zu werden. Derzeit wird dies in diversen klinischen Studien geprüft.

Illustration eines entzündeten Kniegelenks auf hellblauem Kreis.

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Eine Autoimmunerkrankung entsteht, wenn das eigene Immunsystem Bestandteile des Körpers als Gefahr erkennt. Es fängt an bestimmte körpereigene Strukturen zu bekämpfen und kann dadurch großen Schaden im Körper anrichten. Ein Beispiel hierfür ist die rheumatoide Arthritis (auch nur Rheuma oder Arthritis genannt). Hierbei greift das Immunsystem Bestandteile der Gelenke an und es kommt zu chronischen Entzündungen in diesen Gelenken.

Wie kann die CAR-T-Zell-Therapie bei Autoimmunerkrankungen helfen?

Um das zu verstehen, muss man sich zuerst mit einem der Übeltäter bei vielen Autoimmunerkrankungen beschäftigen – den B-Zellen.

B-Zellen gehören wie die T-Zellen zu den weißen Blutkörperchen und sind ein sehr wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist die Produktion von Antikörpern.

Antikörper erkennen und binden Strukturen, die sich auf der Oberfläche von Krankheitserregern befinden (auch Antigene genannt). Dabei binden nicht alle Antikörper jede Struktur, sondern verschiedene B-Zellen produzieren jeweils Antikörper, die bestimmte Moleküle nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip erkennen. Die Antikörper auf der Oberfläche eines Krankheitserregers funktionieren wie ein Leuchtsignal, dass das restliche Immunsystem auf die Erreger aufmerksam macht und diese dann zerstört.

B-Zellen und Antikörper klingen großartig, aber leider sind sie nicht unfehlbar. Es können sich sogenannte autoreaktive B-Zellen entwickeln. Diese heißen so, da sie Antikörper produzieren, die gegen körpereigene, gesunde Stoffe gerichtet sind. Diese Antikörper markieren dann z.B. bestimmte Zellen im eigenen Gewebe als Gefahr, die dann durch das Immunsystem attackiert werden. Es kommt zu chronischen Entzündungen und das Gewebe und ganze Organe nehmen Schaden. Auf diese Weise entstehen viele Autoimmunerkrankungen.

Die Funktionsweise der CAR-T-Zell-Therapie hat das Potential, autoreaktive B-Zellen zielgenau zu vernichten, die dann keine Antiköper gegen körpereigene Strukturen mehr herstellen können. Die Schädigung von gesunden Zellen und Gewebe könnte so verhindert werden.

Patientenreise – CAR-T-Zell-Therapie

Bereits über 500 Studien zur CAR-T-Zelltherapie wurden weltweit durchgeführt. In der Forschung wird die CAR-T-Zell-Therapie für die Behandlung von immer weiteren Erkrankungen untersucht. 2017 wurde die erste CAR-T-Zelltherapie nach sorgfältiger Prüfung durch die Behörden in den USA für bestimmte onkologische Erkrankungen zugelassen, 2018 dann auch in Europa. Seitdem können Kinder, Jugendliche und Erwachsene in verschiedenen Indikationen behandelt werden.

Illustration einer Checkliste an einem Klemmbrett auf hellblauem Hintergrund.

Wie wird festgestellt, ob die CAR-T-Zell-Therapie angewendet werden kann?

Bei klinischen Studien wird vorab festgelegt welche Kriterien eine Person erfüllen muss, damit diese in die jeweilige Studie aufgenommen werden kann. Es werden das genaue Krankheitsbild und damit verbundene Symptome beschrieben, dessen Behandlung im Rahmen der Studie getestet werden soll.

Das behandelnde ärztliche Personal in der Klinik weiß über die Kriterien Bescheid und kann nach den Voruntersuchungen, dem sog. Screening-Prozess, feststellen, ob man in eine Studie aufgenommen werden kann.

Bei der Eignung zur CAR-T-Zell Therapie wird ein/e Patient*in von dem medizinischen Fachpersonal immer individuell betrachtet, d.h. es wird im Einzelfall entschieden, ob diese Form der Therapie für den jeweiligen Patienten/die Patientin sinnvoll ist und angewendet werden kann. Die zu therapierende Erkrankung muss mit einer speziellen Art von Zelle zusammenhängen (der B-Zelle, auch B-Lymphozyt genannt). Wichtig ist, dass man trotz Erkrankung in einem guten Allgemeinzustand sein sollte und keine aktive Infektion vorliegt. Grundsätzlich sollte keine Vorschädigung der inneren Organe, wie z.B. dem Herzen, der Leber oder der Nieren, vorliegen. Es sollten auch genug T-Zellen im Blut enthalten sein, damit aus diesen CAR-T-Zellen hergestellt werden können.

Wie werden die Zellen für die Herstellung der CAR-T-Zellen gewonnen?

Das Spannende an der CAR-T-Zell-Therapie ist, dass man die Basis für die eigene Behandlung selbst liefert. Die T-Zellen, also die Vorläufer der zukünftigen CAR-T-Zellen werden immer von der Person entnommen, die sie später in der Therapie wieder erhält. Um die T-Zellen aus dem Blut zu gewinnen, wendet man eine Methode an, die sich Apherese nennt. Mit der Apherese können bestimmte Bestandteile des Blutes vom restlichen Blut getrennt werden. Man verliert hierbei kein Blut, dieses wird aber aus dem Körper geleitet, gefiltert und fließt anschließend wieder zurück in den Körper.

Um eine Apherese durchzuführen, bekommt die Person zwei Zugänge in verschiedene Venen gelegt. Aus dem einen Zugang fließt das Blut in die Apheresemaschine. In dieser werden die gewünschten Blutkomponenten vom restlichen Blut getrennt, welches dann durch den zweiten Zugang wieder zurück in den Körper geleitet wird.

Für die CAR-T-Zell Therapie wird die sog. Leukapherese angewendet. Bei dieser werden die Leukozyten, d.h. die weißen Blutzellen (zu denen auch die T-Zellen gehören) aus dem Blut herausgefiltert.

Die Leukapherese dauert ca. 3-4 Stunden und man muss dafür nicht längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Es handelt sich hierbei um ein gut verträgliches Verfahren.

Was passiert mit den gewonnenen Zellen?

Die bei der Apherese gewonnenen Zellen werden in ein Speziallabor geschickt. Dort werden die Zellen unter sicheren und sterilen Bedingungen von Fachpersonal weiterverarbeitet. Es müssen nun zuerst einmal die T-Zellen aus dem Gemisch der weißen Blutzellen herausgetrennt werden, denn nur aus diesen können CAR-T-Zellen entstehen. Die T-Zellen werden anschließen gentechnisch so verändert, dass sie zu CAR-T-Zellen werden. Für die Therapie werden viele identische CAR-T-Zellen benötigt, daher muss die Anzahl der Zellen im Labor stark erhöht werden. Dazu werden die veränderten CAR-T-Zellen in ein Wachstumsmedium gegeben, das Botenstoffe enthält, die die Zellen dazu anregen sich zu teilen und sich so stark zu vermehren. Im Anschluss wird durch verschiedene Tests sichergestellt, dass die CAR-T-Zellen in einer guten Qualität vorliegen. Es wird unter anderem geprüft, ob der Anteil der lebenden CAR-T-Zellen hoch genug ist und dass keine Verunreinigungen im Zellgemisch vorliegen. Wenn die Qualität der Zellen zufriedenstellend ist und diese unbedenklich für die Therapie eingesetzt werden können, werden sie vorsichtig verpackt und an die Klinik zurückgeschickt, an welcher der/die Patient*in behandelt werden soll.

Diese Umprogrammierung, Vermehrung und Kontrolle der Zellen können bis zu 5 Wochen dauern.

Illustration einer Frau mit Laborkleidung, die Reagenzglas mit roter Flüssigkeit hält, neben Mikroskop, Laborkolben, Reagenzglashalter und Laptop.

Warum erhält man eine Chemotherapie, bevor die CAR-T-Zellen verabreicht werden?

Eine Chemotherapie wird meistens mit der Behandlung von Krebs in Verbindung gebracht. Es werden hierbei Stoffe eingesetzt, die zum Absterben von krankheitsverursachenden Zellen führen, indem sie die Teilung der Zellen stören.

Zur Vorbereitung der CAR-T-Zell Therapie wird eine einmalige Chemotherapie durchgeführt. Diese Chemotherapie erfolgt nicht zur Bekämpfung einer Erkrankung, sondern um den Körper für die CAR-T-Zellen bereit zu machen. Bevor die CAR-T-Zellen wieder der Person verabreicht werden können, von der die Zellen ursprünglich entnommen wurden, muss bei den meisten Menschen mit Hilfe der Chemotherapie die Menge der weißen Blutkörperchen reduziert werden. Es werden damit vor allem Lymphozyten (zu diesen gehören auch T-Zellen und B-Zellen) entfernt. Dadurch wird das eigene Immunsystem gehemmt das die (teilweise) fremden CAR-T-Zellen sonst angreifen könnte. Die CAR-T-Zellen haben so eine bessere Startbasis und können so vom Organismus leichter wieder angenommen werden. Diese einmalige Chemotherapie nennt man Lymphodepletion (Depletion = Entfernung körpereigener Stoffe aus dem Körper; Lympho = Lymphozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen)). Für die Lymphodepletion werden die Patient*innen zumeist für ca. 3 Tage stationär in die behandelnde Klinik aufgenommen und gut überwacht. Sie wird wenige Tage vor der Gabe der CAR-T-Zellen durchgeführt.

Illustration eines Klinikgebäudes auf grün-blauem Hintergrund.

Wie läuft die Gabe der CAR-T-Zellen ab und was passiert danach?

Um die CAR-T-Zellen, die aus den eigenen T-Zellen hergestellt wurden, wieder zu erhalten, wird man ein paar Tage nach der Chemotherapie (= der Lymphodepletion) in die behandelnde Klinik eingewiesen. Während der Gabe der Zellen wird man sehr eng von medizinischem Fachpersonal überwacht und betreut. Vor der Behandlung wird nochmals genau geprüft, ob man in einem geeigneten körperlichen Zustand ist, um die CAR-T-Zellen zu erhalten. Wenn z.B. ein starker Infekt vorliegt, muss die Gabe der Zellen möglicherweise etwas aufgeschoben werden.

Die CAR-T-Zellen werden über eine Infusion, die ca. 10-30 min dauert, verabreicht. Nach der Infusion bleibt man zur Beobachtung und zur Kontrolle für ca. 2 Wochen in der Klinik. In dieser Zeit wird man sehr engmaschig betreut. Es werden regelmäßig verschiedene körperliche Untersuchungen durchgeführt, das Blutbild kontrolliert und diverse Laborwerte betrachtet.

Nachdem man aus der Klinik entlassen wurde, muss man dort aber noch regelmäßig zu Kontrollterminen erscheinen. Am Anfang finden diese noch häufiger statt, aber mit der Zeit werden die Abstände zwischen den Besuchen immer größer.

Da es sich bei der CAR-T-Zell Therapie um eine Gentherapie handelt, ist es notwendig, dass die Personen, die eine CAR-T-Zell-Infusion erhalten haben, regelmäßig nach Infusion kontrolliert werden.

Wie stellt man fest, ob die Verabreichung der CAR-T-Zellen wirkt?

Um festzustellen, ob die CAR-T-Zell-Therapie wirkt, prüft das medizinische Fachpersonal bestimmte wichtige Merkmale wie z.B. bestimmte Laborwerte, die je nach Krankheit besonders aussagekräftig sind.

Bei Krebserkrankungen wird die Reduzierung der Krebszellen und der Tumore durch verschiedene Bluttests, Biopsien und Bildgebungsverfahren beobachtet.

Bei Autoimmunerkrankungen werden die Erkrankungsparameter und Symptome der jeweiligen Erkrankung nachverfolgt. Durch die Bestimmung verschiedener klinischer Faktoren und Laborparameter wird die Aktivität der Erkrankung vor und über einen langen Zeitraum nach CAR-T-Zell-Infusion überprüft. Das bedeutet, es werden Bluttests durchgeführt (z.B. ob noch bestimmte Antikörper gebildet werden), die Funktionsweise verschiedener Organe wird geprüft (z.B. die Filterfunktion der Niere) und es können je nach Erkrankung weitere Untersuchungen stattfinden.

Illustration eines gelb-weißen Warnhinweisschildes mit rotem Ausrufezeichen auf türkisem Kreis.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

So gut wie jede Therapie kann Nebenwirkungen auslösen, so auch die CAR-T-Zell Therapie. Da man für diese Therapie in die Klinik aufgenommen und auch danach noch engmaschig betreut wird, kann das medizinische Fachpersonal hier sehr schnell eingreifen.

Vorkommen können u.a.:

Zytokin-Freisetzungssyndrom

Zytokine sind Botenstoffe, die Signale zwischen Zellen übertragen. Bei dieser Nebenwirkung kommt es zu einer massiven Freisetzung von Zytokinen, die eine starke Entzündungsreaktion im Körper auslösen. Es tritt meist innerhalb von wenigen Tagen nach der Infusion der CAR-T-Zellen auf. Frühe Symptome können u.a. Fieber, erhöhter Herzschlag, Übelkeit/Erbrechen oder geringer Blutdruck sein.

Behandlung: zum einen werden die Symptome behandelt (Mittel gegen Fieber, Übelkeit, kreislaufstabilisierende Medikamente, etc.) und zum anderen kann ein hochwirksames Medikament gegen die Entzündungsreaktion gegeben werden.

Neurologische Nebenwirkungen

Bei der CAR-T-Zell Therapie können auch Störungen des Nervensystems auftreten. Diese treten auch meist (aber nicht zwingend ausschließlich) innerhalb von wenigen Tagen nach der Infusion der CAR-T-Zellen auf und oft geht das Zytokin-Freisetzungssyndrom voraus. Es machen sich u.a. Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit, Sprachprobleme und Schlafstörungen bemerkbar. Meist sind die Nebenwirkungen eher leicht ausgeprägt und können gut behandelt werden, können aber auch schwer und lebensbedrohlich sein. Aus diesem Grund erfolgen hier zumeist weitere Untersuchungen zur Abklärung des Ausmaßes (z.B. ein MRT oder CT des Gehirns).

Hämatologische (das Blut betreffende) Nebenwirkungen

Es können verschiedene unerwünschte Auswirkungen auf das Blut durch die CAR-T-Zell Therapie verursacht werden. Die Menge der Zellen im Blut kann reduziert werden. Das kann schon durch die vorhergehende Chemotherapie ausgelöst werden und auch durch die CAR-T-Zellen. Da hierdurch die Anzahl wichtiger Zellen des Immunsystems, die als Abwehr gegen Erreger fungieren, erniedrigt sein kann, steigt das Risiko an Infektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen zu erkranken. Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen und Blutplättchen kann erniedrigt sein. Falls notwendig, kann dies durch eine Bluttransfusion behoben werden.

Dadurch, dass die CAR-T-Zellen ein Oberflächenmolekül erkennen, das auf B-Zellen vorkommt, können auch „gesunde“ B-Zellen vernichtet werden. B-Zellen sind die Fabriken im Körper, die Antikörper produzieren, die eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Erregern spielen. Durch deren Zerstörung wird die Menge der Antikörper im Organismus stark verringert, wodurch wiederum das Infektionsrisiko steigt.

Onkologische Nebenwirkungen (Sekundäre Malignome)

Des Weiteren wurde in manchen Fällen bei Patient*innen, die wegen einer Krebserkrankung mit CAR-T Zellen behandelt wurden, das Auftreten von sog. sekundären Malignomen innerhalb von 4 Wochen bis zu mehreren Jahren nach einer Behandlung mit CAR-T-Zellen beobachtet. Bei sekundären Malignomen handelt es sich um neu auftretende Krebserkrankungen, die durch die ursprüngliche Krebsbehandlung verursacht werden können. Daher wird empfohlen, Patient*innen lebenslang auf sekundäre Malignome zu überwachen.

Trotz dieser möglichen Risiken wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei schweren Grunderkrankungen weiterhin als positiv angesehen. Die Behandlung wird nur in spezialisierten Kliniken durchgeführt, die für die Anwendung der CAR-T-Behandlung zertifiziert sind. In Deutschland sind das inzwischen mehr als 30 Kliniken. CAR-T ist eine personalisierte Therapie. Jede Infusion wird individuell für den Patienten/die Patientin hergestellt, indem dessen/deren eigene T-Zellen entnommen und genetisch modifiziert werden. Langzeitstudien haben gezeigt, dass die modifizierten T-Zellen (= CAR-T-Zellen) jahrelang im Körper verbleiben und Krebszellen bekämpfen können. Die Forschung arbeitet kontinuierlich daran, die Sicherheit zu verbessern.

CAR-T-Zelltherapie: Schritt für Schritt

Chimäre Antigenrezeptoren – kurz CARs – sind gentechnisch hergestellte T-Zell-Rezeptoren, die die Grundlage der CAR-T-Zelltherapie darstellen. Bei der personalisierten CAR-T-Zelltherapie wird das Immunsystem der Patientin / des Patienten zur Bekämpfung bestimmter Krebsarten verwendet. Dafür werden der Patientin / dem Patienten T-Zellen entnommen, um diese außerhalb des Körpers umzuprogrammieren. Die dadurch gewonnenen CAR-T-Zellen können die Strukturen auf der Oberfläche von körpereigenen und den davon abstammenden Krebszellen erkennen und bekämpfen.

Illustration eines Mannes, an den eine Maschine zur Blutreinigung angeschlossen ist
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Leukapherese

Die Leukapherese ist das Verfahren zur Entnahme bestimmter weißer Blutkörperchen, unter anderem der sogenannten T-Zellen. Hierbei handelt es sich um eine Art der Blutwäsche. Der Patientin / Dem Patient wird ein Zugang in die Vene gelegt, um damit das Blut in eine spezielle Maschine zu leiten. Die Maschine trennt die weißen Blutkörperchen vom Rest des Blutes, der wieder in den Körper der Patientin / des Patienten zurückgeleitet wird. Die entnommenen Zellen werden anschließend eingefroren und in ein Speziallabor geschickt.

Illustration einer Frau mit Laborbekleidung, die mit einer Pipette in eine Petrischale tropft
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Umprogrammierung

Im Speziallabor werden die T-Zellen so umprogrammiert, dass sie die gewünschten Zielzellen erkennen können. Hierfür wird ein sogenannter Vektor verwendet. Mit diesem wird künstlich hergestellte Erbinformation eines speziellen Gens in die Erbinformation der T-Zellen eingeschleust. Danach sind diese T-Zellen in der Lage ein Eiweiß zu produzieren. Dieses Eiweiß präsentieren die T-Zellen dann auf der Oberfläche, wodurch die Zielzellen erkannt werden können. Ab diesem Schritt handelt es sich um die sogenannten CAR-T-Zellen.

Illustration von Zellen, die sich vermehren
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Vermehrung

Die Vermehrung der umprogrammierten Zellen heißt Expansion. Hierbei handelt es sich um eine Zellteilung der umprogrammierten Zellen, wodurch die Anzahl der CAR-T-Zellen erhöht wird.

Um die Anzahl der CAR-T-Zellen zu erhöhen, gibt es verschiedene Methoden:

  • Vermehrung im Labor: Die veränderten CAR-T-Zellen werden, bevor sie zur Therapie eingesetzt werden, in ein Wachstumsmedium gegeben, das Botenstoffe enthält, die die Zellen dazu anregen sich zu teilen und sich so stark zu vermehren.
  • Vermehrung im Körper: Die eigentliche Vermehrung und Aktivierung der CAR-T-Zellen erfolgt nach Verabreichung an den/die Patient*in im Körper selbst.
Illustration einer weiblichen Person mit Laborkleidung, die Werte auf einem Papier kontrolliert
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Qualitätskontrolle

Die vermehrten CAR-T-Zellen werden anschließend ausführlich auf ihre Qualität geprüft. Hierbei ist Folgendes entscheidend: Die Zellen müssen ausreichend vorhanden sein, zum Großteil leben und das gewünschte Protein auf der Oberfläche besitzen. Außerdem ist ein hoher Säuregehalt des Mediums, in dem sich die Zellen befinden, wichtig. In diesem Schritt wird zudem sichergestellt, dass der Herstellungsprozess erfolgreich verlaufen ist.

Illustration einer Person mit einer Infusionskanüle im linken Arm
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Lymphodepletierende Chemotherapie

Bevor die CAR-T-Zellen wieder der ursprünglichen Patientin / dem Patienten verabreicht werden können, erfolgt – in den meisten Fällen – ein weiterer Schritt. Bei vielen Menschen muss mithilfe einer einmaligen und milden Chemotherapie die Menge der weißen Blutkörperchen reduziert werden. Somit haben die CAR-T-Zellen eine bessere Startbasis und können vom Organismus leichter angenommen werden.

Illustration einer Person die eine Infusion bekommt
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Infusion

Die CAR-T-Zellen werden per Infusion wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Zur Sicherheit wird die Patientin / der Patient während der Infusion beobachtet und überwacht. So kann schnell eingegriffen werden, falls unerwünschte Reaktionen auftreten.

Illustration einer Zelle die eine Schadzelle unschädlich macht
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Vernichtung der Zielzellen

Nun können die CAR-T-Zellen im Blutkreislauf die Zielzellen erkennen, an sie andocken und sie anschließend zerstören.

FA-11290158, 11/2024

CAR-T-Zelltherapie: Erfahrungen aus der Praxis

In diesem Video erklären Prof. Dr. Robert Hoepner und Univ.-Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke was eine CAR‑T‑Zell‑Therapie ist, für welche Patient*innen sie infrage kommt und welche Risiken dabei bestehen. Sie beschreiben den komplexen Ablauf der Behandlung – von der Blutentnahme über die Herstellung der CAR‑T‑Zellen bis hin zur Reinfusion und der engmaschigen Überwachung. Außerdem erklären sie, was Patient*innen während der Therapie erwartet und ob anschließend weitere Medikamente notwendig sind.

Aktuelle Studie
Für diese Studien werden aktuell Patient*innen gesucht

Wenn Essen zur Gefahr wird

Haben Sie das auch schon mal erlebt? Sie laden Freund*innen zum Essen ein und plötzlich wird  das Menü zur Herausforderung: Die eine Person ist allergisch gegen Nüsse, der nächste verträgt keine Tomaten, jemand reagiert auf Schalentiere und wieder andere meiden strikt Weizenprodukte. Gar nicht so einfach, etwas zu servieren, das alle bedenkenlos genießen können. Schließlich möchte niemand dafür verantwortlich sein, wenn es einem Gast nach dem Essen schlecht geht oder er im schlimmsten Fall einen allergischen Schock erleidet.

Allergien auf bestimmte Lebensmittel gehören für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Doch woran liegt es, dass immer mehr Menschen mit einer Lebensmittelallergie zu kämpfen haben? Was genau passiert dabei im Körper? Und worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen einer Lebensmittelallergie und einer Lebensmittelunverträglichkeit?

Warum nehmen Allergien immer mehr zu?

Nicht nur Lebensmittelallergien treten heute häufiger auf als noch vor einigen  Jahrzehnten. Inzwischen entwickeln immer mehr Menschen im Laufe ihres Lebens eine Allergie. Doch woran liegt das?

Forschende vermuten mehrere Ursachen für diesen Anstieg:

  • Klimawandel und Pollenflug: durch den Klimawandel beginnt die Pollensaison, also die Zeit, in der Pflanzen ihren Blütenstaub freisetzen, früher und dauert länger. Das Immunsystem ist dadurch über einen längeren Zeitraum Pollen  ausgesetzt, was das Risiko für die Entwicklung einer allergischen Reaktion auf Pollen erhöhen kann.
  • Umweltverschmutzung: Ruß- und Feinstaubpartikel reizen die Atemwege und können das Immunsystem zusätzlich belasten. In Kombination mit anderen Faktoren kann das die Entstehung von Allergien begünstigen.
  • Übermäßige Hygiene im Kindesalter: Studien zeigen, dass ein „zu steriles“ Umfeld in der frühen Kindheit das Immunsystem daran hindern kann, sich gesund zu entwickeln, was wiederum das Risiko für Allergien erhöht.
  • Eingeschränkte Vielfalt in der Ernährung: eine einseitige Ernährung in jungen Jahren kann später zu Lebensmittelallergien führen. Auch hierzu gibt es wissenschaftliche Hinweise.
Mädchen im Wald hält Löwenzahn und muss niesen

Woran erkennt man eine Lebensmittelallergie?

Eine Lebensmittelallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Bestandteile in Nahrungsmitteln. Normalerweise schützt uns das Immunsystem vor Krankheitserregern wie Viren oder Bakterien. Bei einer Allergie stuft es jedoch bestimmte Stoffe, sogenannte Allergene, fälschlicherweise als gefährlich ein. Typische Symptome treten meist innerhalb weniger Minuten nach dem Verzehr auf. Betroffene bekommen eine pelzige Zunge, Hautauschlag oder Juckreiz, sowie Schwellungen im Mund, an den Lippen, in der Nase oder im Rachen. Auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können auftreten. Im schlimmsten Fall kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen, einer lebensbedrohlichen Reaktion, die zu Kreislaufversagen und Atemstillstand führen kann.

Der Ablauf einer Allergie kann in zwei Phasen unterteilt werden. Zunächst kommt es zur Sensibilisierung. Das heißt, dass beim ersten Kontakt mit einem Allergen das Immunsystem dieses fälschlicherweise als gefährlich einstuft. Es bildet spezielle Antikörper vom Typ Immunglobulin E (IgE), die an sogenannte Mastzellen binden können. Das sind Immunzellen, die vor allem in Haut, Atemwegen und Schleimhäuten vorkommen. Bei einem späteren Kontakt mit demselben Allergen beginnt die eigentliche allergische Reaktion: Das Allergen wird von den IgE-Antikörpern gebunden, die wiederum an Mastzellen binden. Die Mastzellen reagieren, indem sie Histamin und andere Entzündungsstoffe freisetzen. Diese Botenstoffe lösen die typischen allergischen Symptome aus. Bei Lebensmittelallergien reagiert der Körper dabei besonders häufig auf ganz bestimmte Eiweiße in Lebensmitteln. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass alle eiweißhaltigen Lebensmittel potenziell Allergien auslösen können. Hierzu zählen insbesondere Eier, Soja, Weizen, Erdnüsse, Fisch und Meeresfrüchte, Nüsse und Kuhmilch.

Lebensmittelallergien treten oft schon im Kindesalter auf. Manche können mit der Zeit wieder verschwinden, wie etwa die Kuhmilchallergie. Andere, wie die Erdnuss- oder Haselnussallergie wiederum bleiben meist ein Leben lang bestehen.

Person wird auf dem Unterarm mit einer Spritze auf Allergien getestet

Was, wenn gängige Allergietests ergebnislos bleiben?

Eine Diagnose von Allergien erfolgt in der Regel durch einen Allergietest in einer ärztlichen Praxis. Manchmal zeigen die üblichen Tests keine Auffälligkeiten oder zeigen Auffälligkeiten, aber es liegen keine klinischen Symptome vor. Wie kann das sein? Die gängigen Testverfahren wie der Pricktest oder Bluttests geben immer nur einen Hinweis, ob sich das Immunsystem im Sinne der Bildung von IgE-Antikörpern mit dem jeweiligen Lebensmittel auseinder gesetzt hat, nicht aber, ob nach dem Verzehr auch Beschwerden auftreten. Hierzu bedarf es einer genauen Anamnese und bei unklarer Diagnose auch eine Provokationstestung in der Klinik.

Seltene Lebensmittelallergien: wenn selbst Fachleute ratlos sind

Doch nicht jede Lebensmittelallergie geht mit einer erhöhten IgE-Produktion einher. In solchen Fällen sprechen Fachleute von nicht-IgE-vermittelten Allergien. Diese sind schwieriger zu erkennen und werden leicht übersehen, vor allem, wenn Ärzt*innen nicht auf seltene Allergieformen spezialisiert sind.

Ein Beispiel hierfür ist FPIES , das Food-Protein-induced-Enterocolitis-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion auf bestimmte Lebensmitteleiweiße, die nicht durch IgE-Antikörper ausgelöst wird. Genau das macht die Diagnose so schwierig: gängige Allergietests schlagen nicht an. FPIES tritt häufig bei Kleinkindern auf und wird oft  durch eher untypische Lebensmittel wie Reis, Fisch oder Gemüsesorten ausgelöst. Die Symptome sind zeitverzögertes Erbrechen nach 1-4 Stunden, in schweren Fällen auch blutiger Durchfall nach 5-8 Stunden sowie Kreislaufprobleme.

Eine weitere seltene Form ist die Weizenabhängige, anstrengungsassoziierte Anaphylaxie (WDEIA). Dabei vertragen Betroffene Weizen unter normalen Umständen gut, doch in Kombination mit einem sogenannten Trigger wie körperlicher Anstrengung oder Alkohol kann es zu einer schweren allergischen Reaktoin kommen. Wer zum Beispiel vor dem Joggen einen Müsliriegel mit Weizen isst oder zur Pasta ein Glas Wein trinkt, riskiert eine allergische Reaktion.

Auf Sport müssen WDEIA-Betroffene trotzdem nicht verzichten. In einer individuellen Beratung können persönliche Auslöser bestimmt und individuelle Ernährungsempfehlungen erarbeitet werden.

Ausführliche Informationen speziell zu seltenen Lebensmittelallergien, aber auch vielen anderen Allergien, bietet der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) auf seiner Website.

Eine junge Frau joggt über eine kleine Brücke in ländlicher Umgebung.

Kreuzallergie: wenn das Immunsystem Ähnlichkeiten erkennt

Manche Menschen mit einer Allergie reagieren nicht nur auf einen bestimmten Stoff, sondern auch auf andere, die diesem strukturell ähneln. In solchen Fällen spricht man von einer Kreuzallergie. Dies betrifft häufig Menschen mit einer Pollenallergie. Zunächst entsteht zum Beispiel eine Allergie gegen Birkenpollen. Später treten plötzlich Beschwerden beim Verzehr von Äpfeln oder Haselnüssen auf. Diese Lebensmittel enthalten nämlich Eiweiße, die den Birkenpollen sehr ähnlich sind. Das Immunsystem sieht die Ähnlichkeit und reagiert auch auf das Lebensmittel allergisch. Die Symptome einer Kreuzallergie können zu Jucken im Mund- und Rachenbereich, Kribbeln auf der Zunge oder an den Lippen sowie leichten Schwellungen im Gesichtsbereich oder Verschlechterung der Atmung führen. Die Beschwerden treten meist direkt nach dem Verzehr auf. Um Kreuzallergien frühzeitig zu erkennen, ist es sinnvoll, im Rahmen einer Ernährungstherapie anhand des Pollenprofils einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen, denn nicht jeder Pollenallergiker reagiert auch auf Lebensmittel. Testungen führen oftmals zu falsch positiven Ergebnissen und zeigen nicht die klinische Relevanz auf (also ob auch Beschwerden beim Verzehr auftreten).

Kleinkind wird gestillt

Muttermilch kann vor Allergien schützen

Schon im Säuglingsalter werden die Weichen für ein späteres Allergierisiko gestellt. Zahlreiche Studien zeigen, dass Kinder, die in den ersten Monaten ihres Lebens gestillt werden, ein deutlich geringeres Risiko haben im Laufe ihres Lebens eine Allergie zu entwickeln. Zwar bietet Stillen keinen vollständigen Schutz, doch es bringt viele gesundheitliche Vorteile, sowohl für das Kind als auch für die stillende Mutter.

Wenn das Stillen nicht möglich ist, bieten moderne Säuglingsanfangsnahrungen eine gute Alternative. Allerdings sollte nur speziell entwickelte Anfangsnahrung gegeben werden. Tiermilch oder pflanzliche Drinks, wie Hafer- oder Mandelmilch sind kein geeigneter Muttermilchersatz und können dem Kind sogar schaden. Auch sogenannte Pro- und Präbiotika gelten laut aktueller Studienlage nicht als wirksamer Schutz vor Allergien. Die bisherige Empfehlung, Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko mit HA-Babynahrung (hypoallergene Nahrung) zu füttern, wurde stark eingeschränkt. Nur noch Produkte mit nachgewiesener  Wirksamkeit werden empfohlen und viele HA-Nahrungen erfüllen diese Voraussetzungen nicht. Eltern sollten sich daher am besten individuell durch ihre Kinderärztin oder ihren Kinderarzt, eine Hebamme oder eine qualifizierte Ernährungsfachkraft beraten lassen.

Adressen von allergologisch spezialisierten Ernährungsfachkräften finden Sie unter www.allergie-wegweiser.de.

Unverträglichkeit oder Allergie – was ist der Unterschied?

Auch wenn die Begriffe Unverträglichkeit und Allergie oft verwechselt oder gleichgesetzt werden, eine Lebensmittelunverträglichkeit (Intoleranz) ist nicht dasselbe wie eine Lebensmittelallergie. Der entscheidende Unterschied liegt im beteiligten Körpersystem. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempflindlich auf bestimmte Stoffe in Lebensmitteln. Bei einer Unverträglichkeit hingegen ist das Immunsystem nicht beteiligt. Hier liegt meist eine Störung im Stoffwechsel vor. Typische Beispiele für Unverträglichkeiten sind eine Laktoseintoleranz, bei der der Körper Milchzucker (Laktose) nicht richtig abbauen. Die Beschwerden ähneln sich teilweise, unterscheiden sich aber in Ursache und Verlauf. Häufige Symptome bei Intoleranzen sind Blähbauch, Magenschmerzen oder Durchfall.

Die medizinische Forschung im Bereich Lebensmittelallergien entwickelt sich stetig weiter, u.a. durch klinische Studien. In klinischen Studien werden unter ärztlicher Aufsicht neue Therapieansätze getestet. Für interessierte Patient*innen kann sich daraus eine Behandlungsoption ergeben.

Mann mit Milchglas in der Hand hält sich den Bauch

Informationen zum Studienprogramm von Novartis finden Sie hier. Gibt es aktuell keine passenden Studien, können Sie sich hier für den Studienwecker eintragen.

FA-11482691, 08/2025

Manchmal ist es Rheuma

Auch wenn es nur ein schwacher Trost ist: Mit Rückenschmerzen ist man in Deutschland nicht allein. Zig Menschen plagen sich mit einem schmerzenden Kreuz, doch die wenigsten kommen auf den Gedanken, sie könnten an einer ernsten Erkrankung leiden. Zu wenig Sport getrieben, zu lange am Schreibtisch gesessen oder einfach nur schlecht geschlafen – es ist völlig normal zuerst nach einfachen Erklärungen zu suchen. Manchmal verschwinden die Rückenschmerzen dann auch plötzlich wieder für eine gewisse Zeit. Aber was tun, wenn der schmerzende Rücken zum Dauerzustand wird und die Einnahme von Schmerzmitteln allein nicht hilft?

Keine Frage des Alters

Das fragte sich auch Tabea Hartmann* nach vielen Jahren chronischer Rückenschmerzen und unzähligen erfolglosen Therapieversuchen. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich an einer rheumatischen Erkrankung leide. Als die Schmerzen begannen, war ich Anfang 20!“ Rheuma, so dachte die 38-jährige, sei eine Erkrankung des Alters. Dass das nicht stimmt, stellte sie fest, als sie das erste Mal eine Rheumatologenpraxis betrat. Patient*innen aller Altersklassen waren vertreten, sogar Kleinkinder.

Für Tabea Hartmann begann die Krankheit schleichend. „Kurz nach der Ausbildung fing mein unterer Rücken an zu schmerzen.“ erinnert sie sich zurück. „Ich spielte damals viel Volleyball im Verein, also dachte ich zunächst an eine Sportverletzung“. Doch das Röntgenbild bei ihrer Ärztin war unauffällig. Typisch für das frühe Stadium einer axialen Spondyloarthritis, deren bekannteste Form der Morbus Bechterew ist: auf dem Röntgenbild ist sie (noch) nicht erkennbar. Daher wird sie auch nicht-röntgenologisch axiale Spondyloarthritis (nr-axSpA) genannt.

Frau hält sich ihren schmerzenden unteren Rücken.

Schmerzschübe und Morgensteifigkeit

Frau sitzt auf einem Bett und hält sich den schmerzenden Rücken in einem hellen Schlafzimmer.

Tabea Hartmann bekam Schmerzmittel verschrieben, die allerdings nicht zu wirken schienen, denn die Schmerzen blieben, trotz der Medikamente. Dann nach einigen Wochen plötzlich die Wende: die Rückenschmerzen ließen nach und verschwanden. Tabea Hartmann wunderte sich zwar, aber wähnte sich über den Berg. Ein Indiz für die nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis (nr-axSpA), der frühen Form des Morbus Bechterews: Die Beschwerden treten in Schüben auf, sodass die Betroffenen anfangs oft denken, es handele sich um einen einmaligen Vorfall.

Leider kamen die Schmerzen wieder, immer öfter sogar, gepaart mit morgendlicher Unbeweglichkeit der Glieder – Morgensteifigkeit, wie Tabea Hartmann heute weiß. Neben dem Rücken schmerzte nun auch das Gesäß. Eine Ursache konnte nicht gefunden werden. Neben den diffusen wiederkehrenden Schmerzen, die sich meist im unteren Rücken konzentrieren und bis ins Gesäß ausstrahlen, ist die Morgensteifigkeit ein typisches Symptom für rheumatische Rückenschmerzen. Direkt nach dem Aufstehen ist die Unbeweglichkeit am stärksten, verbessert sich jedoch mit Bewegung.

Odysee durchs Gesundheitssystem

Tabea Hartmann besuchte verschiedene Ärzt*innen, immer auf der Suche nach der Ursache für ihre chronischen Rückenschmerzen und ihre zunehmende Bewegungseinschränkung. Es wurden die unterschiedlichsten Diagnosen, von Lendenwirbelsäulen-Syndrom bis zum Schulter-Arm-Syndrom, gestellt. „Weil meine Schmerzen immer wieder zeitweise verschwanden und an verschiedenen Stellen entlang des Rückens auftraten, war es so schwierig, die Krankheit zu erkennen“ resümiert Tabea Hartmann. „Ein weiteres Problem war auch, dass ich gar nicht auf die Idee kam, andere Symptome könnten mit meinen Rückenschmerzen zusammenhängen. Ich hatte z. B. plötzlich diese hartnäckige Augenentzündung und Schmerzen in meinem Handgelenk. Beim jeweiligen Facharzt erzählte ich immer nur das, was ich für wichtig hielt, aber nie von allen Beschwerden. Warum sollte ich auch mit meiner Augenärztin über meine Rückenschmerzen sprechen?”

Schließlich kam der Zufall zur Hilfe. Der neue Freund ihrer besten Freundin arbeitete als Assistenzarzt in der rheumatologischen Abteilung einer großen Klinik. Bei einem gemeinsamen Abendessen brach sie in Tränen aus, die ständigen Schmerzen zehrten an ihren Nerven. Er stellte ihr einige Fragen und sagte schließlich den alles verändernden Satz: „Tabea, ich glaube, du hast Morbus Bechterew.“ Die Untersuchung in der Klinik am Tag darauf bestätigte die Vermutung.

Patienten sitzen im Wartezimmer einer Klinik.

Teilnahme an einer klinischen Studie?

„Endlich zu wissen, was mit mir los ist, den Schmerzen einen Namen geben zu können, das war eine unendliche Erleichterung!“ beschreibt Tabea Hartmann ihre Gefühle, nachdem die Diagnose bestätigt wurde. Dann stellte sich die Frage der Behandlung. Üblicherweise werden Patient*innen mit sogenannten Basistherapeutika behandelt, meist einer Kombination aus Kortison und Antirheumatika, welche die Schmerzen jedoch häufig nur mäßig lindern können. Der befreundete Arzt erwähnte auch die Möglichkeit, an einer Studie für Morbus Bechterew teilzunehmen.

Tabea Hartmann entschied sich schließlich für diese Lösung. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“ gesteht sie heute. „Zu Beginn war da viel Unsicherheit und auch Angst, denn der Wirkstoff mit dem ich behandelt werden sollte, war noch nicht zugelassen.“ Was wenn schlimme Nebenwirkungen auftreten würden, oder bleibende Schäden durch die Medikamenteneinnahme entstünden? Sie führte viele Gespräche mit der Studienärztin, mit ihrem Mann, Freund*innen, ihrem Hausarzt und entschied sich schließlich für eine Studienteilnahme als Therapie. Trotz der Umstände, die ihr die häufigeren Untersuchungen im Rahmen der Studie verursacht haben, hat sie ihre Entscheidung nicht bereut.

Dass es ihr heute viel besser geht, führt sie auch auf ihr intensives Sportprogramm und die zusätzliche Krankengymnastik zurück. „Wenn ich meinen Sport schleifen lasse und mich wenig bewege, merke ich das sofort, dann verschlechtert sich die Situation, trotz regelmäßiger Medikamenteneinnahme“. Ihr persönliches Credo für mehr Lebensqualität lautet daher: Immer in Bewegung bleiben!

Eine Erkrankung – viele Begriffe

Bei rheumatischen Erkrankungen handelt es sich um sog. Autoimmunerkrankungen. Eine Autoimmunerkrankung entsteht, wenn das eigene Immunsystem Bestandteile des Körpers als Gefahr erkennt. Es fängt an, bestimmte körpereigene Strukturen zu bekämpfen und kann dadurch großen Schaden im Körper anrichten. Ein Beispiel hierfür ist die rheumatoide Arthritis (auch nur Rheuma oder Arthritis genannt). Hierbei greift das Immunsystem Bestandteile der Gelenke an und es kommt zu chronischen Entzündungen in diesen Gelenken.

Für verschiedene rheumatische Erkrankungen, die die Wirbelsäule betreffen, werden sehr unterschiedliche Begriffe verwendet, die teils unterschiedliche Stadien ein- und derselben Erkrankung beschreiben. Wir erläutern die wichtigsten:

Pfleger zeigt einer Frau die Wirbelsäule auf einem Röntgenbild.

Axiale Spondyloarthritis (axSpA) ist ein Sammelbegriff für rheumatische Erkrankungen der Wirbelsäule. Wie bei allen rheumatischen Erkrankungen wird die Entzündung durch eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst. Im Falle der axSpA verursacht diese Überreaktion eine Entzündung der Wirbelsäule. Als Folge dieser Entzündung entstehen Rückenschmerzen und ein allgemeines Gefühl der Steifigkeit im Körper, vor allem am Morgen (Morgensteifigkeit).

Morbus Bechterew ist die bekannteste der rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen. Die chronische Entzündung der Wirbelsäule besteht bereits so lange, dass die Entzündung Veränderungen an den Knochen der Wirbelsäule hervorgerufen hat. Diese sind im Röntgenbild sichtbar. Bandscheiben und Bänder können verknöchern und versteifen und die Wirbelsäule unbeweglich machen. Häufig treten auch Augenentzündungen und Schmerzen in den Gelenken auf, seltener kommt es zusätzlich zu Darmentzündungen. Wird Morbus Bechterew nicht rechtzeitig behandelt, kommt es zu einer Verkrümmung des Rückens (Buckel).

Nicht-röntgenologische-axSpA (nr-axSpA) ist eng mit dem Morbus Bechterew verwandt. Sie wird auch als Anfangsstadium des Morbus Bechterew bezeichnet. Die nr-axSpA macht sich durch dauerhafte Schmerzen im unteren Rücken bemerkbar. Neben Wirbelsäule und Gesäß können auch Schmerzen in anderen Gelenken auftreten. Ebenso wie im fortgeschrittenen Stadium, dem Morbus Bechterew, können auch bei der Frühform Augenentzündungen auftreten. Da die Entzündung in der Wirbelsäule noch nicht lange genug besteht, um Veränderungen an den Knochen zu bewirken, ist die nr-axSpA nicht auf dem Röntgenbild erkennbar, deswegen die Bezeichnung „nicht röntgenologisch“. Aufgrund des unauffälligen Röntgenbildes wird in diesem frühen Stadium häufig noch nicht an Rheuma gedacht und mit gängigen Schmerzmitteln behandelt, die jedoch bei rheumatischen Schmerzen nicht wirken können. Durch eine Untersuchung im MRT (Kernspintomographie) kann die Krankheit schon im frühen Stadium erkannt werden.

Bei Sakroilitis ist vor allem die untere Wirbelsäule mit dem Kreuz-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk) von der rheumatischen Entzündung betroffen. Die Entzündung wird an dieser Stelle als extrem schmerzhaft empfunden und kann unbehandelt zu unveränderlichen Haltungsschäden (krummer Rücken, gebeugte Haltung) führen.

Als Spondylitis wird  eine bakterielle Entzündung der Wirbelsäule bezeichnet. Die Bakterien gelangen über den Blutkreislauf in die Wirbelsäule und lösen dort die Entzündung aus. Die Spondylitis ist keine rheumatische Erkrankung und wird mit Antibiotika behandelt. Sie wird hier erwähnt, da die verschiedenen Begriffe manchmal ungenau oder verkürzt verwendet werden.

Die ankylosierende Spondylitis (=Spondylitis ankylosans) ist im Gegensatz zur Spondylitis eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises und wird häufig als Synonym für Morbus Bechterew verwendet.

Spondylosis deformans bezeichnet gesammelt alle Veränderungen der Wirbelsäule, die im Röntgenbild als Unregelmäßigkeit am Knochen sichtbar werden, z. B. als Zacken oder knöcherner Wulst. Der Begriff sagt nichts über die Ursache der Veränderungen aus. Im deutschen wird hierfür auch der Begriff Spondylose verwendet.

*Person & Lebensgeschichte wurde basierend auf typischen Patientenberichten erstellt.

FA-11448669, 06/2025