Wie entstehen genetische Krankheiten?
Gene enthalten die Bauanleitung unseres Körpers. Sie sind Abschnitte der DNA (Desoxyribonukleinsäure), also der Erbinformation, die in fast allen Zellen des Körpers gespeichert ist. Die DNA kann man sich wie ein großes Nachschlagewerk vorstellen, das sämtliche Anweisungen dafür enthält, wie unser Körper aufgebaut ist und funktioniert.
Jedes Gen enthält die Anleitung für die Herstellung eines oder mehrerer Eiweiße (Proteine). Diese Eiweiße übernehmen im Körper wichtige Aufgaben, zum Beispiel beim Stoffwechsel, beim Wachstum, bei der Blutbildung oder bei der Kommunikation zwischen Zellen. Damit diese Prozesse reibungslos ablaufen, müssen die genetischen Informationen korrekt vorliegen und von den Zellen richtig genutzt werden.
Die DNA besteht aus Milliarden einzelner Bausteine. Obwohl der Körper über ausgeklügelte Mechanismen verfügt, um Fehler zu vermeiden und zu reparieren, können bei der Vererbung oder im Laufe des Lebens Veränderungen in der Erbinformation entstehen. Solche Veränderungen werden als genetische Varianten oder Mutationen (vom Lateinischen: mutare, sich verändern) bezeichnet.
Nicht jede Mutation ist problematisch. Viele genetische Veränderungen bleiben ohne gesundheitliche Folgen. Manche können jedoch dazu führen, dass ein wichtiges Eiweiß gar nicht, in zu geringer Menge oder in veränderter Form hergestellt wird. Dadurch können normale Körperfunktionen gestört werden und eine Krankheit entstehen.
Genetische Veränderungen können bereits bei der Geburt vorhanden sein. In diesen Fällen spricht man von erblichen oder angeborenen genetischen Erkrankungen. Sie werden entweder von den Eltern vererbt oder entstehen schon früh während der Entwicklung eines ungeborenen Kindes.
Andere genetische Veränderungen treten erst im Laufe des Lebens auf. Sie können beispielsweise bei natürlichen Zellteilungen, durch Alterungsprozesse oder durch Umwelteinflüsse entstehen. Auch bestimmte Krebsarten beruhen auf solchen später erworbenen genetischen Veränderungen.
Wie stark sich eine genetische Veränderung auswirkt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist unter anderem, welches Gen betroffen ist, welche Aufgabe das dazugehörige Eiweiß hat und in welchen Zellen die Veränderung vorkommt. Deshalb können genetische Erkrankungen sehr unterschiedlich verlaufen – von milden Beschwerden bis hin zu schweren chronischen Erkrankungen.
Genau hier setzt die Gentherapie an. Da die Ursache genetischer Erkrankungen häufig in einer veränderten Erbinformation liegt, versucht die Gentherapie, diesen Fehler gezielt auszugleichen oder zu korrigieren. Voraussetzung dafür ist eine genaue genetische Diagnostik, mit deren Hilfe die zugrunde liegende genetische Veränderung identifiziert werden kann.
Kurz erklärt: Genetische Erkrankungen entstehen durch Veränderungen in der DNA. Diese Veränderungen können dazu führen, dass wichtige Eiweiße nicht mehr richtig funktionieren. Gentherapien versuchen, genau an dieser Ursache anzusetzen und gestörte Prozesse gezielt zu beeinflussen.